§219a: das Selbstbestimmungsrecht auf freien Informationszugang/Interview

Aus: ANFNEWS, 4. Dezember 2017

Als Vorsitzende von Pro Familia Hamburg plädiert Kersten Artus für ein Selbstbestimmungsrecht auf freien Informationszugang und solidarisiert sich mit der Frauenärztin Kristina Hänel.

Die Frauenärztin Kristina Hänel wurde im November vom Landgericht Gießen zu einer Geldstrafe von insgesamt 6.000 Euro verurteilt. Mustafa Menge sprach für die Tageszeitung Yeni Özgür Politika mit Kerstin Artus, der Vorsitzenden von Pro Familia Hamburg. Mehr lesen

Sexuelle Bildung und ein Recht auf Informationen für alle

pro familia Hamburg hat 16 Sprachmittlerinnen mit einer selbst konzipierten Veranstaltungsreihe fortgebildet. Ein bislang einzigartiges Projekt, das Erfolg hat.

Ein Bericht von Kersten Artus, Vorsitzende pro familia Hamburg


“Da unten” kann vieles bedeuten. Bei pro familia Hamburg wissen die Berater*innen und Sexualpädagog*innen allerdings meistens, was damit gemeint ist. Sie machen in ihren Beratungen und Veranstaltungen oft die Erfahrung, dass viele Menschen über bestimmte Körperregionen nicht sprechen können oder wollen, geschweige denn innere und äußere Geschlechtsorgane benennen oder zuordnen zu können. Eben die “da unten”.

Oft ist Scham ein Grund, Dinge nicht aussprechen zu können, um die es bei pro familia geht. Es kommt vor, dass Ratsuchende Begriffe gar nicht erst kennen. Nicht nur inhaltliche Begriffe sind bei Zeiten unbekannt; auch jene, die sich um das Angebot von pro familia Hamburg drehen. In manchen Sprachen gibt es den Begriff “Beratung” nicht. Es muss also erklärt werden, dass man sich da gegenübersitzt und nicht etwa einer Anweisung folgen muss. In vielen Teilen auf der Welt ist es nicht üblich, bei Problemen fremde Menschen aufzusuchen – dafür gibt es die Familie. Mehr lesen

Sexuelle und reproduktive Gesundheit für schwangere geflüchtete Frauen

Das Modellprojekt Fachdialognetz hat Mitte Juli 2017 seine Arbeit aufgenommen. Ein Bericht vom Hamburger Standort

Der Text wurde hier veröffentlicht

Seit 1. Mai arbeitet Kerstin Erl-Hegel für pro familia Hamburg. Davor war die 54-jährige Sozialarbeiterin im Jugendamt tätig, leitete 14 Jahre lang die Elternschule am Grindel. Über zwei Jahre wird sie ein Fachdialognetz entwickeln, das Fachleuten und ehrenamtlich Engagierten helfen soll, schwangere geflüchtete Frauen besser zu unterstützen. Sie baut zusammen mit sieben weiteren Fachkoordinator*innen – die an anderen pro-familia- Standorten bundesweit tätig sind – eine Datenbank auf, die Expertinnen und Experten sowie lokale Beratungsangebote und Einrichtungen mit ihren Kompetenzen listen wird.

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Gesund werden mit dem KOPP-Verlag?

Auf der Suche nach neuen Erkenntnissen, Teil 1

Ihre Gesundheit ist den meisten Menschen wichtig. Hätten sie drei Wünsche frei, würden sich 58% von der guten Fee Gesundheit wünschen, lautet das Ergebnis einer Umfrage. Schade, dass es die gute Fee nicht gibt. Sie würde den Wunsch nach Gesundheit nämlich auch kostenlos erfüllen. Schwuppdiwup und schon wäre es passiert.

Der Glaube an die gute Fee ist bei Erwachsenen nicht mehr ausgeprägt – und so geben sie eben Geld aus, damit sich der Wunsch nach Gesundheit erfüllt. Erst recht, wenn man von einer lebensbedrohlichen Krankheit heimgesucht wurde, etwa Krebs. Knapp eine halbe Million Krebsneuerkrankungen gibt es jedes Jahr. Dass eine Krebsdiagnose heute längst kein Todesurteil mehr bedeutet, ist bei vielen offenbar noch nicht angekommen. Dass der Anstieg an Krebserkrankungen vor allem an der insgesamt längeren Lebenserwartung und genaueren Diagnoseprogrammen liegt, ebenfalls nicht. Dass ein Drittel aller Krebserkrankungen auf persönliches Verhalten etwa wie Nahrungsaufnahme und Genussmittelkonsum (Rauchen/Alkohol) zurückzuführen ist, mögen manche auch nicht wahrhaben. Immer noch werden Krebs schicksalshafte Ursachen zugeschrieben. Oder charakterliche. Genauso sieht es bei den Heilungschancen aus. Die Folge ist: Mit Erkrankten lässt sich viel Geld verdienen – nur leider ohne dass sich die Erwartungen erfüllen. Mehr lesen

Drogenpolitik – eine Genderperspektive

img_2403 Vortrag auf der Bundeskonferenz zur Drogenpolitik am 21./22. Oktober 2016 in Hamburg

„Schluss mit der Kriminalisierung – Drogenmärkte regulieren“ lautet das Motto dieser Konferenz. Ich möchte die mir zur Verfügung stehenden 20 Minuten daher dafür nutzen, auf eine spezielle, weitere Facette der Folgen von Repressionen aufmerksam zu machen, die sich aus den Regularien des Betäubungsmittelgesetzes ergeben und tief verwurzelt in unserer Gesellschaft sind. Ich wurde gebeten, mich nicht ausschließlich mit dem Thema Prostitution und Drogen zu beschäftigen. Mehr lesen

Wenn Diskriminierungen abgebaut würden, könnten Frauen besser leben

img_8918Es war heiß, an diesem Spätsommertag 2014. Auf der Langen Reihe – der Schlagader des Hamburger Stadtteils St. Georg – fuhren die Autos dicht an dicht. Fußgänger drängelten sich an den Stühlen und Tischen des Cafés vorbei, das auf dem schmalen Fußweg seine Gäste platzierte. Ich hatte mich dort mit Lutz und Jörg von der Aids-Hilfe verabredet. Wir aßen Kuchen. Es war eng, gemütlich, laut. Die beiden hatten einen Plan: Sie wollten mich für die neue Hamburgische Regenbogenstiftung gewinnen, als eine von zwei Dutzend Kuratorinnen und Kuratoren. Die Stiftung sollte die Arbeit der Aids-Hilfe bekannt machen, Spenden sammeln, zum Abbau von Stigma HIV-Infizierter beitragen. Ich sagte zu. Als Frauenrechtlerin und Gewerkschafterin habeich mir zum Ziel gesetzt, vor allem HIV-infizierte Frauen und HIV am Arbeitsplatz thematisieren. Mehr lesen

Der Krebs mit der Farbe – auch ich liebe meinen Busen

seite1veröffentlicht: Neues Deutschland, Wochenendausgabe 5./6. März 2016: Seite 1, Seite 2 und Seite 3

Ich bin 51 Jahre alt und gehöre damit ab jetzt zur Zielgruppe des Mammographie-Screenings. Künftig werde auch ich eingeladen, meine Brüste regelmäßig röntgen zu lassen. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die in Deutschland wohnen, bekommen seit 2008 alle zwei Jahre einschlägige Post. In der Bremer Gesundheitsbehörde wurde die zentrale Stelle eingerichtet, die Briefe in ganz Norddeutschland verschickt. Der Versand erfolgt stadtteilweise – pro Quartal sind das allein in Hamburg circa 25.000 Frauen. Ich muss mich entscheiden: Gehe ich hin oder nicht? Es sind vor allem zwei Fragen, die mich beschäftigen: Kann diese Reihenuntersuchung Brustkrebs verhindern? Kann es mein Leben retten, wenn ich erkranke? Ich begebe mich auf die Suche nach Antworten. Mehr lesen

Die späte Diagnose Aids

dsc_0278Erschienen in der Welt Hamburg am 3. März 2016

Ihr erste Gedanke war: Das ist bizarr. Wann, bitteschön, soll ich mich denn infiziert haben? Warum ausgerechnet ich? Die Diagnose, die ihr Arzt ihr mitteilte, lautete: Aids im Endstadium.

Heute fährt Claudia Kramer* wieder Fahrrad und steigt jede Treppe hoch. Sie geht ihrer Arbeit nach, trifft Freunde, fährt in den Urlaub, plant ihre Zukunft. Vor zwei Jahren sah es für die 51-Jährige nicht so aus, als wenn sie jemals wieder ein normales Leben würde führen können. Oder überhaupt ein Leben. Das Röntgenbild ihrer Lunge zeigt eine weiße Schicht. Trockener Husten raubte ihr den Schlaf. Atemnot ließ die schlanke, sportliche Frau an jeder Treppe scheitern. Fieber hielt sich konstant auf hohem Niveau. „Ich hatte kaum noch Helferzellen, die meine Abwehrkräfte gegen krankmachende Eindringlinge in meinem Körper steuern konnten.“, sagt sie. Mehr lesen

Die Vielfalt des Lebens denken – und leben!

11800881_928886020508345_247023346_oWas fordern Trans*personen von der Politik? Was benötigen sie, um selbstverständlicher Teil der Gesellschaft zu sein? Diese Fragen habe ich mit den Podiumsgästen auf einer gut besuchten Veranstaltung der LINKEn während der Hamburger Pride-Week erörtert. Als Moderatorin hatte ich die Aufgabe, die ca. 50 Besucher*innen einzubinden. Denn sie waren ebenso Fachleute wie Vivien, Leo, Franziska, Wiebke und Andromeda, die auf dem Podium Platz genommen hatten. So kamen jede und jeder zu Wort. Lebhaft und vielfältig wurde debattiert.

Ich lehne alle Schubladen ab, in die man Menschen durch eine Geschlechterzuordnung packen will, lautete eine Aussage. Eine andere: Warum muss ich mich entscheiden, welchem Geschlecht ich angehören will? Warum darf es keine Frau mit Penis geben? Eine weitere Position: Wenn ich als Trans*frau ein Kind zeuge, werde ich als Vater deklariert. Das ist diskriminierend. Ich bin eine Frau, ich will eine Mutter sein. Eine weitere: Meine Mutter bekommt selbstverständlich Hormone wegen der Wechseljahre. Ich bekomme Hormone erst, wenn mein Seelenleben durchleutet wurde. Mehr lesen

LINKE fordert kostenloses Frühstück in KItas

anhang-14Ich freue mich sehr, dass der von mir initiierte Antrag für ein kostenloses Frühstück in allen Kitas heute vom Parteitag ohne Gegenstimmen angenommen wurde. Die Mitgliederversammlung Eimsbüttel hatte den Vorschlag bereits unterstützt. KLaus Wicher, Landesvorsitzender des SoVD, sagte in seinem Grußwort, dass er diesen Antrag sehr begrüßt, weil es eine alte Forderung des SoVD sei. DIE LINKE sei die erste Partei, die das aufgreift. Mehr lesen