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Dass der Tourismus für die demokratische Volksrepublik Laos eine wichtige Einnahmequelle ist, verwundert nicht.
Das Land hat Sonne, Berge, Wälder, Wasserfälle und Inseln im Überfluss. Der Mekon gleitet urgewaltig durchs Land. Dazu kommen jede Menge Tempelanlagen wie etwa Wat Phou, überall gibt es Buddha-Figuren. Laot:innen strahlen Gelassenheit aus: Sie sollen das freundlichste Volk der Welt sein. Ich kann es bestätigen. Selten habe ich mich in einem Urlaub so sicher und wohl gefühlt. Gleichzeitig brechen prekäre Schatten dieses Bild: Die Armut, der allgegenwärtige Plastikmüll.
Dennoch: Laos ist von morgens bis abends eine Augenweide. Ich habe immer wieder Neues, Erstaunliches, Schönes entdeckt. Ich konnte mich nicht sattsehen an der Natur, den Menschen, ihrer Lebensart und Lebenslust, an ihren Häusern und Gärten, Märkten und ihren bunten religiösen Bauten.
Wir sind zehn Tage lang durch den asiatischen Binnenstaat gereist, der so groß wie die frühere BRD ist. Zusammen mit sechs weiteren Deutschen und einer Schweizerin waren wir unterwegs.
Wir waren neugierig auf ein Land, über das man in unseren Medien wenig erfährt und für das ich keinen eigenen Reiseführer gefunden habe. Es ist Februar 2026, es ist Trockenzeit, es ist sehr heiß. Warum so viele Bäume und Büsche dennoch in rosa, lila, weißer und gelber Blüte stehen, ist mir ein Rätsel geblieben.
Mücken und Zikaden begleiteten uns über alle Stationen unserer Rundreise hinweg, Die einen stechen, die anderen sind laut, sehr laut. Kühe und Ziegen trabten ohne jeden Respekt vor Autos und Motorrollern die Straßen entlang; an den Wänden der Hotels klammerten sich geckernde Geckos, handtellergroße Spinnen lauerten in ihren Netzen auf Beute. Eine Gottesanbeterin posierte für uns an einem Denkmal für einen heiligen Baum.
Manche Tierarten bekamen wir unappetitlich dargeboten auf den Tag- und Nachtmärkten zu sehen – darunter Fledermäuse, Katzen, Ratten, Insekten, halbtote Fische. Hühner, Gänse und Enten warteten darauf, bei Kauf geköpft zu werden. Der Reiz des Widerspruches mahnte mich wiederholt zur Akzeptanz.
Bis vor einigen Jahren gab es noch Irrawaddy-Delphine im Delta des Mekons. Sie gehören zu den Opfern fehlender Kläranlagen und Entsorgungsmöglichkeiten. Der Mekon ist eine Müllkippe, auch wenn man es ihm auf den ersten Blick nicht ansieht.
Seine Oberfläche schimmert magisch türkis, die Vielfalt seines Wassers – ruhig, strudelnd, sprudelnd, schnellend – reizt zu unendlichen Fotomotiven. Doch er trägt jedes Jahr tausende Tonnen Plastik in die Ozeane. Viele weitere Flussbewohner:innen sind akut bedroht – wie auch die Lebensgrundlagen der Bevölkerung, die an seinen Ufern und in den höher gelegenen Bergregionen zuhause sind.

Laos ist eine verwundete Schönheit. Das Land leidet immer noch an den Folgen der US-amerikanischen Angriffe zwischen 1964 und 1973: Es ist das am schwersten bombardierte Land der Welt. Es wurden über 2 Millionen Tonnen Sprengstoff über das Land gegeben. Das ist mehr, als die USA und Japan im gesamten Zweiten Weltkrieg abgeworfen hatten.
Weite Teile des Landes sind mit Blindgängern gespickt, 30 Prozent der Munition explodierten nicht. Bis heute kommt es zu entsetzlichen Unfällen, wenn Kinder die Warnungen der Alten in den Wind schlagen, und mit ihnen spielen.
Auch in der Landwirtschaft stoßen Arbeiter:innen auf die Kriegsrestanten, mit denen die Amerikaner die Nachschubroute der Nordvietnamesen unterbrechen wollten. Weite Teile des Landes können daher nicht genutzt werden, auch nicht für den Ausbau der unzureichenden Infrastruktur. Es ist ein vergessendes Drama, das Laos durchlebt.
Gleichzeitig steht Laos bei Transparency International auf Platz 109 des Corruption Perceptions Index (CPI) 2025 von insgesamt 182 untersuchten Ländern. Kaum eine internationale NGO ist in dem Land aktiv. Warum wird Laos so im Stich gelassen?
Aber am Kuong Si-Wasserfall habe ich eine Tierschutzstation für den asiatischen Schwarzbären entdeckt. Immerhin – ein wichtiges Engagement zur Rettung wenigster einer der gefährdeten Tierarten.
Die Monarchie wurde vor fünf Jahrzehnten in Laos abgeschafft. Es wird seitdem von der Laotischen Revolutionären Volkspartei (LRVP) regiert – der Halbbruder des abgesetzten Königs, Souphanouvong, wurde in der neu gegründeten Demokratischen Volksrepublik erster Staatspräsident. Er hatte sich bereits zuvor der kommunistischen Bewegung angeschlossen.
Laos bietet Individual- und Gruppenreisenden offenherzige Einblicke in das Leben der überwiegend jungen Bevölkerung, deren Alltag größtenteils auf Straßen und Feldern stattfindet. Das Durchschnittsalter beträgt 26 Jahre. Die Lebenserwartung steigt Jahr für Jahr: Sie liegt bei Frauen derzeit bei 72 Jahren, bei Männern bei 69,2 Jahren. Die Analphabetenquote beträgt 15 Prozent, die der Frauen ist signifikant höher. Sie hat in den letzten Jahren sogar noch zugenommen. Lehrkräfte kommen oft nicht in die entlegenden Schulen, erzählt unser Reiseleiter.
Die meisten Laot:innen leben von ihren Reis- und Kaffeeplantagen, Tierzucht wie auch vom Obst- und Gemüseanbau. Ich habe keinen Hunger gesehen. Am Ufer des Mekon und im Landesinneren wachsen Bananen, Avocado, Zitronen, Kokos- und Cashewnüsse, Tamarinde und Mango. Die Märkte haben reichhaltige Angebote. In einem Ort habe ich Weberinnen zugesehen, die wunderbare Stoffe produzieren. Ein Schal kostete mich nur 5 Dollar.
An nahezu allen Straßen verkaufen die Menschen an selbst zusammen gezimmerten Ständen getrockneten und frisches Obst, Bratwürstchen, fritiertes Gebäck oder Alltagsdinge wie Besen, Schläuche oder Seile.
Die meisten Gäste kommen aus Thailand, gefolgt von China, Südkorea und Vietnam – vielleicht, weil Laos heute noch aussieht wie ihre Länder einmal. Oder weil Laos auch für sie billig ist. Oder, weil auch wir gern in unseren Nachbarländern urlauben. Chines:innen sind nicht sehr beliebt – sie gelten als laut und rücksichtslos. Das mag man in Laos nicht.
Ein vollwertiges Essen ist für 60.000 Kip (3 Euro) zu bekommen, und schmeckt toll, frisch gedünstetes Gemüse, Fisch vom Grill, Hühnchen – fein bis scharf gewürzt. Der Kip ist außerhalb des Landes nichts wert. Als ich an einer abgelegenen Tankstellen drei kleine Chipstüten gekauft habe und dem Mädchen, dessen Alter ich nicht einschätzen konnte, 100.000 Kip überreichte, öffnete sie eine mit unsortierten Geldscheinen vollgestopfte Schublade, wühlte darin und reichte mir ein Bündel Wechselgeld zurück. Ich habe darauf verzichtet, es nachzuzählen.
Fremdwährung wie der Dollar hingegen wird penibel geprüft: Jeder Knick, jede Falte, jeder Riss führt dazu, dass sie das Geld nicht annehmen.
Laot:innen sind unfassbar geduldig. Sie sind aufmerksam und höflich. Der Theravada-Buddhismus ist untrennbar mit der nationalen Identität und dem Staat verwoben.
Auch für die Geschlechter ergeben sich dadurch die Rollenbilder: Jungen gehen als Mönche ins Kloster, von zwei Wochen bis zu einem Jahr oder auf Dauer. Nur Jungen können ihre verstorbenen Eltern auf ihrem letzten Weg begleiten, wobei das nichts mit dem Buddhismus zu tun hat, sondern sich aus den Lehren Konfuzianismus ergibt.

Gibt es keinen Jungen beim Nachwuchs, wird daher ein anverwandtes männliches Kind „adoptiert“, erzählte man mir, das diese Aufgabe einmal übernehmen wird. Männer und Jungen gehen in einem Tempel links-, Frauen und Mädchen rechtsherum. Nur für Frauen stehen vor einem Tempel große Körbe mit Wickelröcken, falls die Touristinnen Shorts oder Röcke tragen, die oberhalb der Knie enden.
Im Nationalmuseum, wo die Monarchenfamilie einst lebte, werden Männern mit kurzen Hosen allerdings auch nicht akzeptiert. Friedhelm, einer unserer Reisebrüder, musste ebenfalls einen Wickelrock um seinen Hüften legen. Mützen und Hüte müssen Besuchende immer absetzen.
Bei Frauenbeinen hat es allerdings neben respektvollen Verhalten mit sexistischen Ängsten zu tun: Die Mönche könnten sonst mit ihrem enthaltsamen Schicksal hadern, ließ ich mir sagen. Das Patriarchat lässt grüßen.
Auch müsse eine Frau zunächst als Mann wiedergeboren werden, um ins Nirwana zu gelangen. Darüber habe ich mich die ganze Reise über lustig gemacht. Moderne buddhistische Gelehrte und Schulen (insbesondere im Vajrayana und im modernen Mahayana) lehnen diese Sichtweise ab. Sie betonen, dass die Buddha-Figur geschlechtsneutral ist.
Wer sich die durchaus individuell sehr verschiedenen Skulpturen genau ansieht, mit Brüsten und geschwungenen Lippen, kann zu der Einschätzung kommen, dass Buddha-Natur von jeher weiblich war – als lebensspendende Mutter. Tara und Vajrayogini etwa sind explizit weibliche Buddha-Figuren.

Das Land ist übersät mit Buddhas, von riesigen, die auf Bergen thronen und weithin sichtbar sind wie Winzlinge, die in Einbuchtungen von Tempelanlagen oder Höhlen ihr Dasein fristen.
Es werden Opfergaben vor ihnen abgelegt, das kann auch eine Limonade in der Plastikflasche mit Strohalm sein.
So präsent der Buddhismus ist, so zurückhaltend sind Politik und Polizei. Plakative Parolen oder überdimensionierte Bilder des Präsidenten gibt es wenige. Ist aber die laotische Flagge zu sehen, ist ein rotes Fähnchen mit Hammer und Sichel nicht fern – es gibt auch entsprechende Girlanden. Das wars aber auch schon. Selbst bei der Ein- und Ausreise zeigt das Grenzpersonal wenig Neigung, mehr zu tun als nötig. Man nimmt sich in diesem Land nicht so wichtig.

Überall sind Kinder – und wenn man Glück hat, klatschen einen auch die ganz Kleinen auf der Straße ab, wenn man mit dem Fahrrad eine Tour macht. In den Städten sitzen sie mit auf den Mopeds ihrer Eltern oder größeren Geschwister, Helme haben sich noch nicht durchgesetzt.
Und dann der Mekon: Einige unserer Hotels liegen direkt an seinen Ufern, man kann sich an dem Anblick verlieren. Auf einem Flussschiff haben wir zwei Tage auf ihm verbracht. Er ist die wortwörtliche Lebensader der Region, das zwischen Thailand, China, Vietnam und Kambodscha liegt. Er schlängelt sich von Nord nach Süd, mal schmal, mal Delta.
In der Trockenzeit sinkt sein Pegel um mehrere Meter ab. Wir kamen an bizarren Felsen und Kliffen mit faszinierenden Maserungen vorbei, die in dieser Zeit als temporäre Inseln oder wie Mini-Gebirge aus seinem graugrünen Wasser ragen.
Die Familie, die auf unserem gemieteten Schiff das Ruder in der Hand hatte und uns bekochte, wohnt auch auf ihm. Sicher rangierte das Schiff durch das Unterwassergestein.

Doch ist diese Idylle eben trügerisch und die laotische Regierung wie auch die anderen asiatischen Länder tun nach meinem Eindruck zu wenig dafür, dass Laos, diese Perle des asiatischen Kontinents sowie der insgesamt 4.350 Kilometer lange Mekon, der in Tibet entspringt und durch sechs Länder fließt, gesund bleibt.
Präsident Thongloun Sisoulith und Premierminister Sonexay Siphandone müssen auf verschiedensten Ebenen schwierstige Aufgaben lösen – voran mehr Unabhängigkeit in der Energieversorgung. Daher entstehen derzeit weitere Staudämme – die auch ökologisch umstritten sind. Dazu kommt ein Handelsdefizit: Zweidrittel aller Importe kommen aus Thailand, ein Viertel aus China, fünf Prozent aus Vietnam. Japan und die USA liegen bei unter einem Prozent. Hier ist ein Bericht, der die Gemengelage darstellt.
Importe aus Deutschland sind gering, dennoch sind Waren aus Deutschland wichtig: Dazu gehören Kraftfahrzeuge, Maschinen, pharmazeutische Produkte, Laborchemie oder auch Malz. Warum Kaffee aus Laos bei uns den Markt nicht rockt, verstehe ich nicht – ich habe zwei Kilogramm Bohnen vom Bolaven-Plateau (Phu Phieng Bolaven) mitgebracht, er schmeckt phantastisch.
Wir waren vom Norden in den Süden gereist, Mit der Bahn, mit dem Schiff, mit einem Inlandsflug; und haben fast jede Nacht in einem anderen Hotel geschlafen. Unsere Gruppe hat sich gut verstanden, das hat den Urlaub auch mit so schön gemacht. Unser Reiseleiter Bay hat uns gut geleitet und viel erzählt – er hatte in der DDR Landwirtschaft studiert und war ein toller Pflanzenkenner.
Überall gab es einen Pool, das war bei der Hitze von über 30 Grad tagsüber eine hilfreiche Erholung. Wir haben eine Wanderung gemacht, mehrere Wasserfälle gesehen und in einem sogar gebadet, sind einen Berg hochgekraxelt, waren mit dem Fahrrad unterwegs, sind dem Sonnenuntergang entgegen am Mekong entlang spaziert und haben immer gut gegessen. Alles ist lecker! Vielleicht nur nicht die Tiere, die bei uns zuhause nicht auf den Tisch kommen.
Wir sind fast ohne Jetlag-Probleme zurückgekommen, hatten aber zunächst die Sorge, aufgrund der Bombardements Israels und der USA auf den Iran Probleme beim Rückflug zu bekommen. Das war dann aber nicht der Fall, da wir nicht über Dubai geflogen waren.
Hinweis: skr-Reisen hatte die Reise angeboten.