Kersten Artus

Journalistin

29. April 2016
von Kersten Artus
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Berichte aus dem Garten – jetzt auf neuem Blog!

DSC_0178Mit meinem zweiten Gartenjahr habe ich einen eigenen Blog eröffnet. Gemischten über Frühblüher, Hummeln, Rasenmäher und mehr können hier nachgelesen werden. Nach den Schnecken habe ich eine weitere  Schädlingsart ausgemacht, die ich leider bekämpfen muss: Die Rhododendron-Zikade. Endlich habe ich nämlich herausgefunden, warum einige der Knospen so komisch aussehen und aus ihnen auch keine Blüte herauskommt. Ich habe in diesem Frühling schon etliche Stunden in meinem Garten verbracht, das Wetter hat – bis auf die letzte Woche  auch schon gut mitgemacht. Meine erste Schrebergarten- Jahreshauptversammlung habe ich nun auch erlebt. Muss ja alles seine Ordnung haben. Wer also Lust hat, schöne Bilder anzusehen und meine Schrebergartenfortschritte nachzulesen, kann das hier gerne tun.

26. April 2016
von Kersten Artus
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Zeit für Veränderungen

IMG_9631Als ich ein Kind war, steckten alle Frauenfüße, die ich kannte, in Perlonstrumpfhosen. Meine Füße sind breit und groß, wie die meines Vaters Sie sind platt und haben einen hohen Spann. Meine Mutter stöhnte jedesmal beim Schuhkauf, wie schwierig es sei, für mich etwas Passendes zu finden. Ich musste daher oft mit Schuhen vorlieb nehmen, die mir nicht gefielen. Und da ich zum Leidwesen meiner Mutter noch stramme Waden habe, konnte ich auch keine langen Stiefel tragen. Dafür konnte ich meinen „großen Onkel“ in den Mund stecken, mit nahezu allen Zehen einzeln wackeln und zwischen Zeige- und großem Zeh Kleinstteile vom Fußboden aufheben. Ich trage Unisex-Socken. Hauptsache, die Größe stimmt. Und bis vor kurzem war ich auch der Meinung, Füße sollten nicht groß auffallen, meine Socken wsren daher allesamt schwarz. Weiterlesen →

20. März 2016
von Kersten Artus
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Ein Zeugnis nach 35 Jahren

gymnasium-horn-logoAus Bremen kam die Vergangenheit zurück in die Gegenwart. In einem schmucklosen Briefumschlag befand sich eine Neufassung meines Zeugnisses aus dem Jahr 1981. Absenderin: meine ehemalige Schule, das Gymnasium Horn. Ich hatte Anfang diesen Jahres Kontakt aufgenommen, weil ich das Original seit langem nicht mehr besitze. Sondern nur noch eine vergilbte, schlecht lesbare, Kopie. Ich brauche ein vernünftiges Papier, weil ich mich für neue Jobs bewerbe. Weiterlesen →

6. März 2016
von Kersten Artus
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Wenn Diskriminierungen abgebaut würden, könnten Frauen besser leben

IMG_8918Es war heiß, an diesem Spätsommertag 2014. Auf der Langen Reihe – der Schlagader des Hamburger Stadtteils St. Georg – fuhren die Autos dicht an dicht. Fußgänger drängelten sich an den Stühlen und Tischen des Cafés vorbei, das auf dem schmalen Fußweg seine Gäste platzierte. Ich hatte mich dort mit Lutz und Jörg von der Aids-Hilfe verabredet. Wir aßen Kuchen. Es war eng, gemütlich, laut. Die beiden hatten einen Plan: Sie wollten mich für die neue Hamburgische Regenbogenstiftung gewinnen, als eine von zwei Dutzend Kuratorinnen und Kuratoren. Die Stiftung sollte die Arbeit der Aids-Hilfe bekannt machen, Spenden sammeln, zum Abbau von Stigma HIV-Infizierter beitragen. Ich sagte zu. Als Frauenrechtlerin und Gewerkschafterin habeich mir zum Ziel gesetzt, vor allem HIV-infizierte Frauen und HIV am Arbeitsplatz thematisieren. Weiterlesen →

5. März 2016
von Kersten Artus
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Der Krebs mit der Farbe – auch ich liebe meinen Busen

seite1veröffentlicht: Neues Deutschland, Wochenendausgabe 5./6. März 2016: Seite 1, Seite 2 und Seite 3

Ich bin 51 Jahre alt und gehöre damit ab jetzt zur Zielgruppe des Mammographie-Screenings. Künftig werde auch ich eingeladen, meine Brüste regelmäßig röntgen zu lassen. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die in Deutschland wohnen, bekommen seit 2008 alle zwei Jahre einschlägige Post. In der Bremer Gesundheitsbehörde wurde die zentrale Stelle eingerichtet, die Briefe in ganz Norddeutschland verschickt. Der Versand erfolgt stadtteilweise – pro Quartal sind das allein in Hamburg circa 25.000 Frauen. Ich muss mich entscheiden: Gehe ich hin oder nicht? Es sind vor allem zwei Fragen, die mich beschäftigen: Kann diese Reihenuntersuchung Brustkrebs verhindern? Kann es mein Leben retten, wenn ich erkranke? Ich begebe mich auf die Suche nach Antworten. Weiterlesen →

3. März 2016
von Kersten Artus
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Die späte Diagnose Aids

DSC_0278Erschienen in der Welt Hamburg am 3. März 2016

Ihr erste Gedanke war: Das ist bizarr. Wann, bitteschön, soll ich mich denn infiziert haben? Warum ausgerechnet ich? Die Diagnose, die ihr Arzt ihr mitteilte, lautete: Aids im Endstadium.

Heute fährt Claudia Kramer* wieder Fahrrad und steigt jede Treppe hoch. Sie geht ihrer Arbeit nach, trifft Freunde, fährt in den Urlaub, plant ihre Zukunft. Vor zwei Jahren sah es für die 51-Jährige nicht so aus, als wenn sie jemals wieder ein normales Leben würde führen können. Oder überhaupt ein Leben. Das Röntgenbild ihrer Lunge zeigt eine weiße Schicht. Trockener Husten raubte ihr den Schlaf. Atemnot ließ die schlanke, sportliche Frau an jeder Treppe scheitern. Fieber hielt sich konstant auf hohem Niveau. „Ich hatte kaum noch Helferzellen, die meine Abwehrkräfte gegen krankmachende Eindringlinge in meinem Körper steuern konnten.“, sagt sie. Weiterlesen →

2. März 2016
von Kersten Artus
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Wenn die anderen tanzen

DSC_0254veröffentlicht im FREITAG 9/16 vom 3. März 2016

Körbe mit geschnittenem Brot stehen auf den Tischen, dazu Schalen mit Butter und Marmelade. In den Fächern eines schmalen Regales stapeln Handtücher. Im Wohnzimmer liegen Tageszeitungen aus. Kemenate, der Tagestreff für wohnungslose Frauen in Hamburg, öffnet in einer Stunde.

Eine, die regelmäßig vorbei schaut, ist Martina Junge*. Noch steht die schmale Frau mit Mütze, dicker Jacke, Jeans und schwarzen Stiefeln in der Februar-Kälte vor der Tür und raucht. Sie hat Lippenstift aufgelegt, unter den Augen einen dünnen Kajalstrich gezogen. „Das ist drinnen nicht erlaubt.“, sagt sie und pustet den Qualm nach oben. Weiterlesen →

1. März 2016
von Kersten Artus
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Interview: „Männer müssen auch Macht abgeben.“

mittenmangDie Zeitung MittenMang hat ein Interview mit mir in zwei Teilen in ihren Februar- und März-Ausgaben veröffentlicht. Hier ist es dokumentiert.

Kersten, was sind die Konsequenzen aus Köln?

Zum einen: Die Kölner Polizei hat die Situation auf dem Bahnhofsvorplatz an Silvester falsch eingeschätzt. Offenbar hatte sich die Polizeileitung auf diffuse Terrorwarnungen islamistischer Selbstmordattentäter eingestellt, anstatt auf die Abwehr vom Terror gegen Frauen. Die Beamtinnen und Beamten vor Ort haben sich offenbar auch nicht ausreichend um die Frauen gekümmert, die um Hilfe gebeten haben. Der Rücktritt des Polizeipräsidenten ist aus meiner Sicht ein Bauernopfer gewesen. Erfahrungsgemäß sind solche Vorfälle immer nur die Spitze des Eisberges von strukturellen Problemen. Da wurde anscheinend jahrelang schlechte Arbeit gemacht, die städtische und die Landesregierung sind ihren Aufgaben nicht ausreichend nachgekommen.
Zum anderen besteht eine Lücke im Sexualstrafrecht. Frauenrechtsorganisationen wie Terres des Femmes weisen darauf seit Jahren hin. Die Definition von Vergewaltigung ist immer noch zu lasch. Um die sexuelle Selbstbestimmung von Menschen zu stärken, bedarf es Änderungen der §§ 177 und 179 Strafgesetzbuch. Die Istanbuler Konvention dazu gibt es bereits seit 2011.
Zum dritten ist der gesellschaftlich tief verankerte Rassismus in neuer Massivität offenkundig geworden. Summiert man das mit den fast täglichen Angriffen auf Flüchtlingsheime, den steigenden Umfragewerten der AfD und dem opportunistischen Verhalten unserer Regierungen, die Asylrechtsverschärfungen planen und umsetzen, ergibt sich ein Bild, das mit dem Mantra der Kanzlerin, „Wir schaffen das.“, nicht mehr viel zu tun hat. Das Asylrecht muss vielmehr gestärkt werden, das ergibt sich bereits aus der Genfer Flüchtlingskonvention. Weiterlesen →

28. Januar 2016
von Kersten Artus
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Arbeit verstehen

IMG_8074Nun ist er zwei Jahre alt, kann ganze Sätze sprechen und verschiedene Lieder anstimmen. Von „Oh Tannebaum“ singt er komplett die erste Strophe. Ich vermute, das Lied wird uns auch noch im Sommer begleiten. Mein Enkel wiegt fast 15 Kilogramm, hat lange blonde Locken, ist ziemlich kitzelig und zieht gern Grimassen. Er kennt die Vornamen seiner Großeltern, seiner Eltern und der Kinder seiner Krippengruppe. Den Namen eines FC St. Pauli-Kickers schreit er, wenn er einen Ball in ein Tor kickt. Groß ist er geworden. Mit viel Persönlichkeit.  Weiterlesen →

16. Januar 2016
von Kersten Artus
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Der Übergriff

Ich war in der 6. Klasse, als ich bei einer Schulkameradin zum Übernachten eingeladen gewesen war, also war ich elf oder schon zwölf Jahre alt. Mit mehreren Mädchen wollten wir im ausgebauten Keller in Doris‘ Elternhaus schlafen. Der Weg dorthin war ziemlich weit. Sie wohnte in einem anderen Stadtteil als ich. Ich fuhr mit dem Fahrrad aus Oberneuland raus, die Franz-Schütte-Allee entlang. Diese Straße führt zwei Kilometer lang ohne eine einzige Kurve nach Bremen rein. Sie hat zwar auf der einen Seite eine Weg für Fußgänger und Radfahrer, doch eigentlich ist sie eine Autostraße. Weiterlesen →

11. Januar 2016
von Kersten Artus
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Okay, reden wir endlich über sexistische Gewalt

12291318_1056560004364268_1831270855581251134_oOkay, reden wir über Gewalt an Frauen. Wir begehen seit vielen Jahren am 25. November den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Wir treffen uns dazu mal im Rathaus, mal auf Veranstaltungen – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ gibt es in wenigen Tausend Exemplaren, kauft man beim Bäcker ein. Hatten Sie eine in der Hand? Im letzten Jahr hat die Hamburger Sozialbehörde eine Kampagne dazu entwickelt. Wer erinnert sich an diese? Es gibt seit einiger Zeit das bundesweite Hilfetelefon für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden. Kennen Sie die Nummer? Ach, das hat Sie bislang nicht interessiert? Warum eigentlich nicht? Weiterlesen →

7. Januar 2016
von Kersten Artus
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Dem Feminismus verloren

frauenratDie vermutlich älteste Frauenzeitschrift Deutschlands ist Ende 2015 das letzte Mal erschienen – und niemand hat es bemerkt. Frauenrat, die Publikation der gleichnamigen feministischen NGO, ist nach 63 Jahren eingestellt worden. In ihrer letzten Ausgabe beschäftigt sich das Blatt dem Thema Abschied.

Ich finde: Gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft über Sexismus diskutiert wie lange nicht, ist ein seriöses Blatt auch und gerade in gedruckter Form erforderlich. Weiterlesen →

3. Januar 2016
von Kersten Artus
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Eine Homestory vom Aufräumen

IMG_7914Das vorletzte Biotop in meinem Haushalt ist mein Kabuff. Das liegt nicht unbedingt an den Dingen, die dort lagern, sondern an mangelnder Lust, einzugreifen. Es gibt dort Objekte, die fasse ich höchstens einmal im Jahr oder seltener an. Andere nutze ich regelmäßig. Doch ob häufig genutzt oder nicht: Es werden immer mehr. Weiterlesen →

22. Dezember 2015
von Kersten Artus
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Hartz IV-Familie nimmt Flüchtlinge auf

Anhang 1(4)Es ist keine Weihnachtsgeschichte, es ist eine normale Geschichte. Und doch ist sie es nicht, denn wenn eine Sarah Connor oder ein Kai Diekmann Flüchtlinge aufnehmen, kann sich das jeder gut vorstellen, sie haben ja viel Platz in ihren großen Häusern. Wenn aber eine Alleinerziehende und ihr Sohn gleiches tun, ist es außergewöhnlich. Von dieser Familie handelt diese Geschichte.

Dass es so zeitintensiv würde, hätte Manuela Pagels (55) nicht gedacht, als sie die Idee hatte, eine syrische Familie aufzunehmen. „Mir taten die Menschen einfach Leid, die tagtäglich am Hamburger Hauptbahnhof stranden. Ich habe mir vorgestellt, wie es mir ergehen würde, wenn ich mit meinen Sohn hätte flüchten müssen.“ Manuela wollte daher das wenige, was sie hat, teilen. Sie ist Aufstockerin, weil ihr Lohn, den sie als Reinigungskraft verdient, zum Leben nicht reicht. Zusammen mit Ibo (10) lebt sie in einer Erdgeschosswohnung in der Eimsbütteler Lenzsiedlung. Drei Zimmer, Küche, Bad, kleine Terrasse – das ist ihr kleines Reich, das sie teilen wollte. Weiterlesen →

21. Dezember 2015
von Kersten Artus
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Macht Betriebliches öffentlicher!

Ibrahim Ergin ist Betriebsratsvorsitzender der Meyer-Werft. Das Unternehmen will ihn kündigen, weil er Auszubildende genötigt haben soll, in die IG Metall einzutreten. Ich bin aus der Ferne Zuschauerin dieses politischen Prozesses, der in der Mitbestimmungsgeschichte Deutschlands seinesgleichen sucht. Ich nehme Anteil, weil man vor fünf Jahren versucht hat, auch mich wegen gewerkschaftlicher Betätigung rauszuschmeißen, und auch ich war eine Betriebsratsvorsitzende. Es war einer von drei Kündigungsgründen*. Weiterlesen →