Kersten Artus

Journalistin, Veranstaltungsmoderatorin, Öffentlichkeitsarbeiterin, Trauerrednerin

30. April 2018
von Kersten Artus
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§ 219a: Informations- und Berufsrechte sollten kein Spielball der Politik sein

Zum Stand der Diskussion – Vor der offenen Fachtagung von pro familia Hamburg und des FPZ Hamburg am 8. Mai 2018

Der § 219a StGB war bis vor wenigen Monaten nur in Fachkreisen bekannt. Und zwei Männern, die seit Jahren akribisch das Internet durchforsten, um jene Medizinerinnen und Mediziner anzuzeigen, die auf ihrer Website darüber informieren, dass sie Schwangerschaftsabbrüche anbieten.¹ Gleiches galt für die Folgen dieses Strafrechtspragraphen – für ungewollt Schwangere und für Ärztinnen und Ärzte, die Abbrüche durchführen. Vor allem Jüngere waren sich gar nicht mehr bewusst, dass Schwangerschaftsabbrüche nicht straffrei sind. Die Generation, die in den 1980er Jahren zur Welt gekommen ist, hatte Pflichtberatungen und die 12-Wochen-Grenze offenbar so verinnerlicht, dass es kein Bewusstsein mehr dafür gab, dass Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland unter Strafe stehen. Umso größer die kollektive Empörung, als bekannt wurde, dass (nicht nur) eine Ärztin zu 6.000 Euro Strafe verurteilt wurde, weil sie gegen den § 219a StGB verstoßen hatte. Weiterlesen →

19. April 2018
von Kersten Artus
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„Ich habs geschafft“

Nun ist er endlich fertig, der Dokumentarfilm von Waage e.V. über Essstörugen. Am 11. Juni um 19 Uhr wird im Metropolis Kino die Welturaufführung stattfinden.

Es ist einerseits ein merkwürdiges Gefühl, so vielen Jahre nach der Therapie noch einmal Rede und Antwort zu stehen. Durch die gute Regie von Shirley Hartlage war das dann aber gar kein Problem.

Im Gegenteil. Die Rückschau auf die Zeit der Zwänge und der Heimlichtuerei haben auch ein gutes Bild darauf geworfen. welcher Weg hinter mir liegt.

Hier ist der Trailer anzusehen:

18. März 2018
von Kersten Artus
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Bundestag behandelt 219er-Petition aus Hamburg

Fruchtblase in der 7. Schwangerschaftswoche, aufgenommen von Kristina Hänel, Allgemeinärztin aus Gießen

Nachdem Kristina Hänel ihre Petition bei change.org für das Recht auf Information bei ungewollter Schwangerschaft gestartet hatte, reichten 15 Hamburger Ehrenamtliche und Beschäftigte von pro familia Hamburg eine begleitende Petition bei der Hamburgischen Bürgerschaft und dem Deutschen Bundestag ein. Die Eingabe war erfolgreich, der Hamburger Senat reichte eine Bundesratsinitiative ein. Parallel entwickelte sich eine Frauen- und Menschenrechtsbewegung, die die Abschaffung des § 219a StGB fordert. Auf dem Soli-Blog für die verurteilte Allgemeinärztin Kristina Hänel ist dies begleitend dokumentiert. Nun hat sich auch der Bundestag zurückgemeldet. Weiterlesen →

20. Februar 2018
von Kersten Artus
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Prostitution – ungeliebter Schatten der bürgerlichen Ehe

veröffentlicht in „Z“ unter dem Titel: „Zur Diskussion in der Linken um Prostitution“


Niemand käme auf die Idee, die Ehe zu verbieten oder Maßnahmen zu ergreifen, sie einzudämmen. Sie ist grundgesetzlich geschützt und wird auch weltweit in Rechtsordnungen geregelt: In der Europäischen Charta der Grundrechte ist zum Beispiel das „Recht, eine Ehe einzugehen“, festgeschrieben. Sogleich gilt der Schutz der Eheschließungsfreiheit, wie auch die frei gestaltbare Aufgabenverteilung innerhalb der Ehe. Im Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte steht, dass beide Ehegatten gleiche Rechte und Pflichten während der Ehe haben.[2]. Weiterlesen →

16. Februar 2018
von Kersten Artus
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Warum der 8. März ein Feiertag werden muss

veröffentlicht in DISPUT, Mitgliedermagazn DIE LINKE; Februar 2018

Die halbe Menschheit wird wegen ihres Geschlechts diskriminiert – trotz Wahlrecht und Gleichstellungsgesetzen, trotz Gewaltschutzkonzepten und Quotenregelungen. Aber um die größte Spaltung der Gesellschaft zu überwinden, werden nur halbherzig und mit ebenso halben Verstand Maßnahmen ergriffen; Eigentums- und Machtverhältnisse zu wenig hinterfragt; der strukturelle Sexismus nicht bekämpft. Weiterlesen →

11. Februar 2018
von Kersten Artus
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Eingabe erfolgreich: Bürgerschaft beschließt, § 219a StGb aufheben

Vor einigen Wochen habe ich zusammen mit gut einem Dutzend weiterer Mitglieder und Beschäftigten von profamilia Hamburg eine Eingabe an die Hamburgische Bürgerschaft und den Deutschen Bundestag gerichtet. Ziel der Eingabe (Petition) war es, dass sich Bürgerschaft und Senat der Freien und Hansestadt Hamburg mit allen ihren zur Verfügung stehenden Mitteln dafür einsetzen mögen, dass der § 219a StGB, der jegliche Werbung (und damit auch die reine Sachinformation) seitens Schwangerschaftsabbruch ausführender Ärztinnen und Ärzte verbietet und unter Strafe stellt, aufgehoben werden möge. Der dafür zuständige Ausschuss hat die Eingabe beraten und der Bürgerschaft empfohlen, die Eingabe für erledigt zu erklären. Das Landesparlament ist dem am 31. Januar 2018 gefolgt. Weiterlesen →

31. Dezember 2017
von Kersten Artus
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Zehn Jahre ohne

©RüdigerRebmann

Vor zehn Jahren trat in Hamburg das Passivraucherschutzgesetz in Kraft. Ich habe es genutzt, um mit dem Rauchen aufzuhören. Während sich andere Raucher*innen darüber aufregten, dass es die Freiheit einschränke, dass es den Genuss einschränke, dass einen Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht darstelle; während der DEHOGA und etliche Kneipenbesitzer*innen den Untergang der Gastronomie prophezeiten, habe ich die Gelegenheit ergriffen, um mal wieder mit dem Rauchen aufzuhören.

„Mit dem Rauchen aufzuhören ist kinderleicht. Ich habe es schon hundertmal geschafft“, witzelte Mark Twain. Er hatte ja so recht. Ich hatte es zuvor auch schon viele Male versucht und lebte manchmal auch lange ohne Nikotin. Als ich jeweils mit meinen Kindern schwanger war zum Beispiel. Allen Carr mit seinem Buch „Endlich Nichtraucher“ hat mir auch mal geholfen. Und als ich mich sechs Wochen lang in der psychosomatischen Klinik in Bad Bramstedt aufhielt, nutzte ich ein verhaltenstherapeutisches Angebot. Weiterlesen →

12. Dezember 2017
von Kersten Artus
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Zuspruch von fast allen Seiten

Meine Reportage über die Übergabe von 150.000 Unterschriften unter die Petition zum § 219a StGB an Bundestagsabgeordnete durch Kristina Hänel, veröffentlicht in der Gießener Allgemeine Zeitung vom 13. Dezember 2017


„Ich bin Ärztin. Und ich helfe Frauen.“ Es sind diese zwei Sätze, die Kristina Hänel immer wieder sagt. Auch heute, als sie mehr als 150.000 Unterschriften an Bundestagsabgeordnete in Berlin überreicht und sich den Fragen der Journalistinnen und Journalisten stellt.

Es weht ein kalter, scharfer Wind vor dem Reichstagsgebäude. Eine 30 Meter hohe, mit Hunderten Lichtern geschmückte Tanne sorgt für etwas Wärme. Die Ärztin aus Gießen hatte eine Petition über die Kampagnen-Plattform Change.org gestartet, nachdem sie angezeigt wurde, weil sie auf ihrer Homepage informiert, dass sie Schwangerschaftsabbrüche anbietet. Der § 219a StGB macht das möglich. Er verbietet Werbung für Abbrüche. Weiterlesen →

27. November 2017
von Kersten Artus
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Sexuelle Bildung und ein Recht auf Informationen für alle

pro familia Hamburg hat 16 Sprachmittlerinnen mit einer selbst konzipierten Veranstaltungsreihe fortgebildet. Ein bislang einzigartiges Projekt, das Erfolg hat.

Ein Bericht von Kersten Artus, Vorsitzende pro familia Hamburg


„Da unten“ kann vieles bedeuten. Bei pro familia Hamburg wissen die Berater*innen und Sexualpädagog*innen allerdings meistens, was damit gemeint ist. Sie machen in ihren Beratungen und Veranstaltungen oft die Erfahrung, dass viele Menschen über bestimmte Körperregionen nicht sprechen können oder wollen, geschweige denn innere und äußere Geschlechtsorgane benennen oder zuordnen zu können. Eben die „da unten“.

Oft ist Scham ein Grund, Dinge nicht aussprechen zu können, um die es bei pro familia geht. Es kommt vor, dass Ratsuchende Begriffe gar nicht erst kennen. Nicht nur inhaltliche Begriffe sind bei Zeiten unbekannt; auch jene, die sich um das Angebot von pro familia Hamburg drehen. In manchen Sprachen gibt es den Begriff „Beratung“ nicht. Es muss also erklärt werden, dass man sich da gegenübersitzt und nicht etwa einer Anweisung folgen muss. In vielen Teilen auf der Welt ist es nicht üblich, bei Problemen fremde Menschen aufzusuchen – dafür gibt es die Familie. Weiterlesen →