Kersten Artus

Journalistin, Veranstaltungsmoderatorin, Öffentlichkeitsarbeiterin, Trauerrednerin

Zeit für Veränderungen

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img_9675Die Jahre 2014/2015 sind für mich in vielerlei Hinsicht Jahre der Umbrüche gewesen. Ich wurde 50, wurde Großmutter, das Abgeordnetenmandat endete, mein langjähriges Arbeitsverhältnis ebenso. Ich pachtete einen Schrebergarten, aquirierte erste eigene Aufträge, machte Fortbildungen, streifte nach und nach meine Hülle als Lautsprecherin und Litfasssäule für meine Partei ab. Viele Kleidungsstücke hängen unbenutzt im Schrank. Blazer, Blusen, Hosen mit Bügelfalten. Und nun auch die schwarzen Sockenpaare. Weg damit!

Als ich ein Kind war, steckten alle Frauenfüße, die ich kannte, in Perlonstrumpfhosen. Meine Füße sind breit und groß, wie die meines Vaters Sie sind platt und haben einen hohen Spann. Meine Mutter stöhnte jedesmal beim Schuhkauf, wie schwierig es sei, für mich etwas Passendes zu finden. Ich musste daher oft mit Schuhen vorlieb nehmen, die mir nicht gefielen. Und da ich zum Leidwesen meiner Mutter noch stramme Waden habe, konnte ich auch keine langen Stiefel tragen. Dafür konnte ich meinen „großen Onkel“ in den Mund stecken, mit nahezu allen Zehen einzeln wackeln und zwischen Zeige- und großem Zeh Kleinstteile vom Fußboden aufheben. Ich trage Unisex-Socken. Hauptsache, die Größe stimmt. Und bis vor kurzem war ich auch der Meinung, Füße sollten nicht groß auffallen, meine Socken waren daher allesamt schwarz.

Ich bin ganz früher an den Füßen kitzlig gewesen und habe mir manchmal vorgestellt, es wäre eine gute Methode, jemanden auf diese Art zu foltern. Im Mittelalter sollen Geständnisse jeder Art so erpresst worden sein, dass man Ziegen an den Füßen lecken ließ, habe ich gelesen. Heute haben meine Füße diese Empfindlichkeit verloren. Ich weiß echt nicht, warum. Nur für meinen zweijährigen Enkel tue ich manchmal so, als ob. Wenn er seine kleinen Finger an meine Sohlen streift, kreische ich, dann lacht er laut. Dann kitzle ich zurück und er giggelt und kämpft mit der nach seinen Füßen greifenden Hand.

Seit ich erwachsen bin, trage ich schwarze Socken. Es war und ist in meinen Kreisen en vogue, diese Körperregion unauffällig zu halten. Eine Außnahme macht die Sommerzeit: Dann lackiere ich meine Fußnägel und stecke sie in Sandalen. Ich habe im Laufe der Jahre oft meinen Stil verändert oder auch meine Frisur. Meine Füße wurden jahrzehntelang gleich gekleidet. Selbst das rot des Nagellacks variierrte kaum. Dann war es Zeit für Veränderungen!

Denn es ist so: Ich kann sie nicht mehr leiden. Ich will meine breiten, platten Füße mit ihrem hohen Spann nur noch in lustige Socken stecken. Auf dass sie ab jetzt Spaß haben. Und damit ich gut drauf komme, wenn ich Nach unten schaue. Ich will mich schon morgens beim Aufstehen selbst befragen, welches Paar ich heute überziehe. Jeden Tag will ich ein anderes Muster, eine andere Farbe! Vorbei ist die Fußzeit der Tristheit, Einfarbigkeit, Öde, Schwärze, Unauffälligkeit. Meine Füße sehen jetzt noch breiter aus – Streifen machen dick, *kicher*.

Außerdem: Ich bekomme meine großen Onkel immer noch in den Mund und kann kleine Teile aufheben, in dem ich sie zwischen Zeige- und großen Zeh klemme. Mit den Zehen wackeln geht sowieso.

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