Grönemeyer: “Demenz”. Ein Buch für alle

Titelblatt des Buches "Demenz" von HDietrich GrönemeyerRezension (veröffentlicht im Journal von Caspary-Bestattungen)

Demenz ist nach Krebs die Krankheit, vor der in Deutschland die größte Angst besteht. Kein Wunder, dass Informationen darüber hohe Aufmerksamkeit bekommen. Einer, der besonders gut Ursachen, Folgen und den Umgang mit Demenz erklären kann, ist der Mediziner und Autor Dietrich Grönemeyer. Er hat bereits mit seinem Wissen über Rückenleiden ein Millionenpublikum erreicht. Grönemeyer: “Demenz”. Ein Buch für alle weiterlesen

Ein Stolperstein für Frida Dannenbaum

Ich bin Patin des Stolpersteins, der in Erinnerung an Frida Dannenbaum 2020 verlegt wurde. Er liegt vor dem Haus, in dem ich ein Jahr lang gewöhnt habe. Dort hatte sich einst der Samuel-Lewinson-Stift befunden, der notleidenden israelitischen Familien ein Obdach bot. Die Nazis funktionierten den Stift zu einem “Judenhaus” um, einem Getto, in dem jüdische Menschen zwangseingewiesen wurden, bevor sie deportiert und ermordet wurden. Ein Stolperstein für Frida Dannenbaum weiterlesen

Nikolauslaufen in Bremen

Mein Vater empfingt in seinem früheren Geschäft am 6. Dezember jedes Jahr die Nikoläusinnen und Nikoläuse

„Sunnerklaus, de grote Mann
Kloppt an ale Dören an,
Lütte Kinner bringt he wat,
Grote Kinner steckt he in ’nen Sack.

Halli Halli Hallo,
so geihts in Bremen to.

Ick bün so’n lütten Könich,
Drum gib mir nicht so wenich.
Drum lass mich nicht so lange stehn,
Denn ich muss noch weiter gehn.

Halli, halli, hallo,
So geiht’s in Bremen to!”

Sollten Kinder mit zur Beerdigung kommen?

Vier Kinder unterschiedlichen Alters stehen vor eiunem Grab, das mit Blumen geschmückt ist.
KI-generiertes Bild

veröffentlicht im Caspary-Journal

„Elena versteht das noch nicht.“ – „John würde nur stören.“ – „Mia bekäme bestimmt danach Alpträume!“ Sätze von Eltern, die so oder so ähnlich immer wieder gesagt werden, wenn die Frage aufkommt, ob Kinder mit zur Beerdigung kommen sollen.

Die Erfahrung zeigt, dass es gut ist, wenn Kinder dabei sind  – und zwar in jedem Alter. Vor allem, wenn jemand sehr nahestehendes gestorben ist wie ein Eltern- oder Großelternteil oder ein Geschwisterkind, tut es Kindern gut, zu sehen, wo die Verstorbenen bleiben. Sollten Kinder mit zur Beerdigung kommen? weiterlesen

Woanders wird anders getrauert

Perspektivwechsel: Abschiedsrituale in anderen Ländern

veröffentlicht im “Caspary-Journal”

“Werden wir sterben, ohne mehr zu tun als zu sterben?
Wozu dient es zu sterben?
Will der Tod wirklich meine Seele?
Es gibt keinen Schatten ohne meinen Namen.”

Das Bld zeigt Laternen, die auf einem Wasser schwimmen.
Laternen zum Obon. KI-generiertes Bild

Worte des chilenischen Dichters Pablo Neruda (1904-1973), die hierzulande nahezu unbekannt sind. Und das ist kein Wunder: Wie Sterben, Tod und Trauer erfahren und bewältigt werden, ist eng mit eigenen Lebensweisen und weitergegebenen Traditionen verbunden. Woanders wird anders getrauert weiterlesen

Grußwort zum Safe Abortion Day 2025

Landesparteitag Die Linke Hamburg, 28. September 2025

Heute spreche ich als Gästin, weil heute der Safe Abortion Day ist. Den haben Aktivist.innen der Pro-Choice-Bewegung nach Deutschland geholt. Er hat seine Wurzeln in Lateinamerika. Der 28. September war der Tag, an dem im Jahr 1871 das brasilianische Parlament das Recht auf freie Geburt von Kindern verabschiedet hatte. Ein wichtiger Schritt zur Abschaffung der Sklaverei. Grußwort zum Safe Abortion Day 2025 weiterlesen

Von der Kindesmörderin Marie Farrar

Bert Brecht

1 Marie Farrar, geboren im April
Unmündig, merkmallos, rachitisch, Waise
Bislang angeblich unbescholten, will
Ein Kind ermordet haben in der Weise:
Sie sagt, sie habe schon im zweiten Monat
Bei einer Frau in einem Kellerhaus
Versucht, es abzutreiben mit zwei Spritzen
Angeblich schmerzhaft, doch ging’s nicht heraus.
Doch ihr, ich bitte euch, wollt nicht in Zorn verfallen
Denn alle Kreatur braucht Hilf von allen. Von der Kindesmörderin Marie Farrar weiterlesen

Offener Brief an Herrn de Vries

Hallo Herr de Vries,

Ich wundere mich, wie Sie auf meine Bitte, dem Gruppenantrag im Bundestag zuzustimmen, der den legalen Abbruch in den ersten 12 Wochen einer Schwangerschaft vorsieht, geantwortet haben.

Sie sind Wahlkreisabgeordneter für Hamburg-Mitte. Dort hat pro familia Hamburg e.V. seine Räumlichkeiten. Ich hatte Sie zu uns eingeladen, damit Sie sich selbst ein Bild machen können und auch mit unseren hochqualifizierten Berater:innen, die die Schwangerenkonfliktberatung tagtäglich seit vielen Jahren machen, sprechen können. Darauf gehen Sie mit keiner Silbe ein. Offener Brief an Herrn de Vries weiterlesen

Die Akte Tellmann

Über 300.000 Menschen wurden von den Nationalsozialisten systematisch ermordet, weil bei ihnen eine körperliche oder geistige/psychische Einschränkung diagnostiziert worden war. Zuvor erlitten sie körperliche Eingriffe, durch die sie sich nicht mehr fortpflanzen oder sexuelle Lust empfinden konnten: Sterilisationen, Kastrationen, Abtreibungen. Zur Legitimation dieser Verbrechen waren Gesetze wie etwa zur „Verhütung erbkranken Nachwuchses“ eingeführt worden. Amtlich eingesetzte Pfleger oder Vormünder waren zustimmungspflichtig.

Einer war der Bremer Notar und Anwalt Dr. Arend Tellmann, der als Pfleger für den jungen Arbeiter Johann Meyer aus Oberneuland zuständig war, der unter Schizophrenie gelitten haben soll. Das Erbgesundheitsgericht Bremen hatte am 4. Juni 1935 seine „Unfruchtbarmachung“ angeordnet. Im August 1942 wurde er in die osthessische Tötungsanstalt Hadamar gebracht. Vier Monate später war er tot. Die Akte Tellmann weiterlesen

Johann Meyer – wie ein Leben lebensunwert wurde

Johann Meyer war Arbeiter. Er wurde im hessischen Hadamar in einer der Tötungsanstalten der Nationalsozialisten ermordet. Sie waren neben den KZs strategisch eingerichtete Orte, an denen in der NS-Zeit Massenmorde durchgeführt worden waren..

Der Oberneulander Johann Meyer war eines von über 300.000 Opfern planmäßiger Krankenmorde. Denn behinderte und psychisch Erkrankte galten bei den Nazis als „unwertes Leben“. Zuvor wurden sie meist durch Sterilisationen verstümmelt.

Für Johann gibt es nun ein Stolperstein. Er wurde in der Apfelallee 4 in Bremen-Oberneuland in den Bürgersteig eingelassen. Dort war er geboren worden und aufgewachsen. Zwei Häuser weiter, Apfelallee 8, wurde zeitgleich ein Stolperstein für Betty Denker verlegt, die im niedersächsischen Wehnen ermordet worden war. Johann Meyer – wie ein Leben lebensunwert wurde weiterlesen