Die Selbstgerechte

Zurzeit wird das neue Buch von Sahra Wagenknecht, „Die Selbstgerechten“ innerhalb der LINKEn heiß diskutiert. Anlass ist die Landesvertreter*innenversammlung der NRW-LINKEn am 10. April, bei der ide Landesliste für die Bundestagswahlen aufgestellt wird. Sahra kandidiert für Platz 1, was viele verhindern möchten. Viele andere wollen sie dort unbedingt sehen. Ansonsten, so lauten Befürchtungen, die ich unter anderem auf Facebook gelesen habe, hätte DIE LINKE keine Chance bei den Wahlen. Eine gewagte These, wie ich finde. weil sie nämlich nicht belegt wird. Als Meinungsäußerung ist sie natürlich okay. Eine weitere Behauptung kursiert, dass Sahra keine Linke mehr sei, sondern mittlerweile eine Rechte. Sie bekenne sich zum Konservatismus und ihre Aussagen zu Migration klingen, als würden sie aus dem Mund von AfD’lern kommen. In diesem Texte soll es vor allem darum gehen, dass man Behauptungen auch belegen soll. Daran kann die Glaubwürdigkeit gemessen werden. Mehr lesen

Socialbuchmesse – meine Empfehlungen

Ich finde die Idee richtig gut: Bücher zu empfehlen, da die Leipziger Buchmesse aufgrund des #Coronavirus abgesagt wurde und damit Buchautor*innen konkret zu helfen. Ich verbinde diese Initiative von Sascha Lobo damit, Bücher vorzustellen, die ich gut finde, auch wenn sie mehr ganz so neu sind.

Fünf der neun Bücher, von denen ich hier das Buch-Cover abgebildet habe, handeln von Tod und Sterben. Es sind kaber eine schwermütigen Texte darin zu finden, die noch todtrauriger machen, als man es vielleicht gerade ist. Etwa weil man gerade oder vor einiger Zeit jemanden Liebes verloren hat, sich selbst mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert sieht, oder aufgrund einer bedrohlichen Krankheit, des hohen Alters oder weil man aus anderem Grund in Endzeitstimmung ist. Mehr lesen

Gesund werden mit dem KOPP-Verlag?

Auf der Suche nach neuen Erkenntnissen, Teil 1

Ihre Gesundheit ist den meisten Menschen wichtig. Hätten sie drei Wünsche frei, würden sich 58% von der guten Fee Gesundheit wünschen, lautet das Ergebnis einer Umfrage. Schade, dass es die gute Fee nicht gibt. Sie würde den Wunsch nach Gesundheit nämlich auch kostenlos erfüllen. Schwuppdiwup und schon wäre es passiert.

Der Glaube an die gute Fee ist bei Erwachsenen nicht mehr ausgeprägt – und so geben sie eben Geld aus, damit sich der Wunsch nach Gesundheit erfüllt. Erst recht, wenn man von einer lebensbedrohlichen Krankheit heimgesucht wurde, etwa Krebs. Knapp eine halbe Million Krebsneuerkrankungen gibt es jedes Jahr. Dass eine Krebsdiagnose heute längst kein Todesurteil mehr bedeutet, ist bei vielen offenbar noch nicht angekommen. Dass der Anstieg an Krebserkrankungen vor allem an der insgesamt längeren Lebenserwartung und genaueren Diagnoseprogrammen liegt, ebenfalls nicht. Dass ein Drittel aller Krebserkrankungen auf persönliches Verhalten etwa wie Nahrungsaufnahme und Genussmittelkonsum (Rauchen/Alkohol) zurückzuführen ist, mögen manche auch nicht wahrhaben. Immer noch werden Krebs schicksalshafte Ursachen zugeschrieben. Oder charakterliche. Genauso sieht es bei den Heilungschancen aus. Die Folge ist: Mit Erkrankten lässt sich viel Geld verdienen – nur leider ohne dass sich die Erwartungen erfüllen. Mehr lesen

Mit den Augen von Kindern: das US-amerikanische Buch “Too many noodles”

noodlesKinder lieben Wiederholungen, sie sind in Geschichten zuhause, sie mögen Rituale. In schöne Kinderbücher habe ich selbst gern meine Nase gesteckt, mochte sie wiederholen, mochte die Geschichten, mochte das Vorleseritual. Und so bin ich immer anspruchsvoller geworden, lernte gute von schlechten Kinderbüchern zu unterscheiden und begeisterte mich für die Fähigkeit von SchriftstellerInnen, kind- und erwachsenengerecht Bücher für die Kleinsten zu schreiben. Und zu zeichnen. Mehr lesen

Vorlesen in Farmsen

puw-vorlesen3Der bundesweite Vorlesetag 2015 hat mich zum Pflegeheim Farmsen geführt, das von pflegen und wohnen betrieben wird. Über 200 Menschen leben hier, 160 Mitarbeitende hat die Einrichtung. Ein gemütlicher Ohrensessel wartete bereits auf mich, hinter mir wurde der Elektrokamin angestellt. Ein geschmückter Tannenbaum und ein Adventskranz sorgten für eine vorweihnachtliche Stimmung. Ich habe von Hermann Gutmann “Hamburg schmunzelt” vorgelesen, und wie erwartet, mochten es die alten Leute, wenn man von früher erzählt. Hamburg aus der Zeit des Mittelalters, wo es schon die Deichstraße gab, als der Fischmarkt entstanden ist und die ersten Raufereien mit Bremen stattgefunden haben. Das zweite Buch, das ich mitgebracht hatte, war von Erich Kästner, aus dem ich eine Weihnachtsgeschichte gelesen habe. Danke, dass ich da gewesen sein durfte!

Immer noch ein Hinterzimmerthema

mukWas uns Frauen wesentlich von Männern unterscheidet, ist, dass wir Kinder kriegen können. Den folgenreichen, sich lebenlang auswirkenden, Unterschied spürt eine Frau aber meist erst dann, wenn sie eines bekommt – und auch, wenn sie es nicht austragen will. Abtreibungen werden hierzulande seit vielen Jahren unter bestimmten Voraussetzungen geduldet, aber sie sind grundsätzlich immer noch nach dem Strafgesetzbuch verboten. Die jüngste Geschichte zeigt zudem: Das Selbstbestimmungsrecht der Frauen wird je nach politischer Wetterlage neu definiert: In Spanien drohte erst vor kurzem ein Abtreibungsverbot. Nicaragua hatte einst ein liberales Abtreibungsrecht, heute sind Abtreibungen dort vollständig verboten Derzeit stehen in 68 Prozent aller Länder Abtreibungen voll unter Strafe, darunter auch Mexiko, Ägypten, Malta, Kenia. In diesen Ländern leben 25 Prozent der Weltbevölkerung. Deutschland gehört zu den 57 Ländern, die eine Fristenlösung haben – in der ehemaligen DDR seit 1972, in der alten BRD seit 1974. Mehr lesen

Ein Buch voller Weisheiten

bastardAls ich vor einigen Jahren auf einer Frauentags-Veranstaltung des Bundes der Migrantinnen sprechen durfte, fragte mich ein älterer Mann etwas in seiner Sprache. Ein jüngerer Mann übersetzte: Wie ich über das türkisch-armenische Verhältnis denken würde. Ich wusste dazu nichts zu sagen, ich wusste nichts darüber. Weder dass es überhaupt ein problematisches Verhältnis gab, noch worum es überhaupt ging. Hätte ich das Buch „Der Bastard von Istanbul“ von Elif Shafak zu diesem Zeitpunkt schon gelesen, hätte ich nicht so unwissend da gestanden. Ich muss auch gestehen: Ich hatte es zu diesem Zeitpunkt schon einmal angefangen. Was mich abhielt, es zu Ende zu lesen, weiß ich heute nicht mehr.
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Aus Sicht der Frauen

lust_auf_ein_morgen_g7Ich habe dieses Buch in den 1980er Jahren schon einmal gelesen. Die Wiederentdeckung des Romans „Lust auf ein Morgen“ war nun eine Reise zurück zu den Frauen, mit denen ich groß geworden bin: Meine Mutter, meine Groß- und Urgroßmütter, meine Patentante, meine Schwester. Sie haben mir ihr Frausein vorgelebt. An ihnen konnte ich mich messen, mich vergleichen. Sie haben mir vermittelt, was weiblich ist und was nicht. Was haben sie angezogen? Wie sind sie mit Ihresgleichen, wie mit Männern umgegangen? Welche Konfliktstrategien hatten sie, welche Träume, Wünsche, Ängste? Konnten sie befriedigend Sexualität leben, füllte sie ihre Arbeit aus? Kämpften sie für ihre Rechte oder passten sie sich an? Sie waren mir jetzt wieder sehr nah. Mehr lesen

Sanfter Thriller

inestFrüher schmeckte Naschkram aus dem Bio-Markt noch ziemlich ideologisch. Als Industriezuckerersatz wurde allenfalls Honig verwendet und das tolerierte kein Geschmacksgedächtnis. Man musste eine biologisch-dynamische Überzeugung haben, um das zu essen.

Süßwarenregale im Ökomarkt bieten heute eine große Auswahl an Leckereien. Die Rezepturen sind angepasst an den Mainstreamgeschmack, die Bio-Süßwaren sind mit Trockenobst, Agavendicksaft, Stevia und Kokosnuss versetzt, das schmeckt. Süßes aus dem Natruwarenladen ist allerdings nach wie vor teurer als im konventionellen Handel. Naschkatzen kommen auf ihre Geschmackskosten, wenn sie es sich leisten können. Protagonist in Ines Thorns neuem Krimi ist so ein sündhaft teurer Schokoriegel. Er hat einen weiteren geheimnisvollen Zusatz. Mehr lesen

„Der Baron, die Juden und die Nazis“ – selten war Geschichte so wenig langweilig

unknownDer Adel hat es bis heute immer wieder verstanden, nur die Facetten von sich zu zeigen, die es ihm möglich machten, in der jeweiligen Gesellschaft zur herrschenden “Elite” zu gehören. Er will verbergen, was sein Wesen ist: das einer Kaste, die glaubt, sie sei durch Geburt und Tradition anderen Menschen überlegen. Anstatt über den Judenhass, die Demokratiefeindlichkeit und die Kriegsverbrechen dieser deutschen Elite aufzuklären, legen die Massenmedien und allen voran das öffentlich-rechtliche Fernsehen heute über solche elitekritischen Themen den Mantel des Schweigens. (Jutta Ditfurth)

Jutta Ditfurth untertitelt ihr neues Buch “Der Baron, die Juden und die Nazis“ zwar mit einer „Reise in eine Familiengeschichte“, doch sie nimmt uns mit in den elitären und rassistischen Teil der Geschichte aller Deutschen.

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