Kersten Artus

Journalistin

Sanfter Thriller

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inestFrüher schmeckte Naschkram aus dem Bio-Markt noch ziemlich ideologisch. Als Industriezuckerersatz wurde allenfalls Honig verwendet und das tolerierte kein Geschmacksgedächtnis. Man musste eine biologisch-dynamische Überzeugung haben, um das zu essen.

Süßwarenregale im Ökomarkt bieten heute eine große Auswahl an Leckereien. Die Rezepturen sind angepasst an den Mainstreamgeschmack, die Bio-Süßwaren sind mit Trockenobst, Agavendicksaft, Stevia und Kokosnuss versetzt, das schmeckt. Süßes aus dem Natruwarenladen ist allerdings nach wie vor teurer als im konventionellen Handel. Naschkatzen kommen auf ihre Geschmackskosten, wenn sie es sich leisten können. Protagonist in Ines Thorns neuem Krimi ist so ein sündhaft teurer Schokoriegel. Er hat einen weiteren geheimnisvollen Zusatz.

Wie es sich für das Genre gehört, wird haufenweise unnatürlich gestorben. Tod im Biomarkt, das hatten wir noch nicht. Eine Privatdetektivin, die aufgrund schlechter Auftragslage an dessen Kasse sitzt, und sogleich die Fährte aufnimmt, auch noch nicht. Eva Sandmann wird als unabhängige Frau skizziert, die zwei Männer zugleich liebt,  mit dem einen sogar einmal verheiratet gewesen ist. Der andere Lover ist ebenfalls liiert, doch dessen Frau schöpft Verdacht und beauftragt – tataaa! – Eva Sandmann, seine Untreue zu beweisen. Doppelleben führen auch der Biomarkt-Inhaber Auer und das zweite Todesopfer, der alte Neumann. Vertrackt. Und dann ist da dieser Schokoriegel, den Auer auf Krampf vermarkten will und der offenbar eine aphrodisierende Wirkung bei Männern – und etwa etwas mit den Todesfällen zu tun hat? Evas Ermittlungen gestalten sich nicht einfach.

Der Krimi liest sich flüssig, auch ie Autorin die Fäden die Story dann und wann grobmaschig gestrickt hat. Und dann ist da die ehrgeizige Ehefrau von Auer, die im Laufe der Story der Leserschaft verloren geht. Oder die burschikose Witwe des ersten Todesopfers, die zwar in erheiterndem Dialekt ihre Weisheiten zum Besten gibt, aber ansonsten blass bleibt.

Das Ende ist brav, treibt keinen Blutdruck hoch, ich mir einen derberen Dreh gewünscht. Es ist ein eher sanfter Thriller, der sich zum Schmökern eignet und meine Skepsis auf Bio-Schokoriegel wiedererweckt hat.

Ein Katzenkrimi ist es wider Erwarten nicht.

„Gierige Naschkatzen“ von Ines Thorn, Kriminalroman, Brandes & Apsel, 190 Seiten, 17,90 €

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