Kersten Artus

Journalistin, Veranstaltungsmoderatorin, Öffentlichkeitsarbeiterin, Trauerrednerin

Trump wurde Präsident: An Tagen wie diesen denkt man an früher

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„Die Welt des Ronald Reagan“

Donald Trump wurde zum US-Präsidenten gewählt. Das wirft meine Gedanken zurück. In meine Zeit der Politisierung und der Angst vor einem Atomkrieg viel die Amtszeit von Ronald Reagan (1981-1989), einem B-Movie-Schauspieler, der später (?) an Alzheimer erkrankte. Diese Karikatur, diese „Weltkarte“, hing jahrelang in meiner/unserer Wohnung. Die Welt hat also bereits verrückte Präsidenten erlebt.

Das macht die Wahl von Trump nicht besser. Wir wissen aber auch, dass die Wahl von Clinton die Welt nicht friedfertiger gemacht hätte. Eine Frau allein macht es auch nicht, siehe Thatcher. Oder Marie Le Pen.

Eines hat mich in den letzten Tagen sehr geärgert. Immer wieder wurde „von einem gespaltenen Land“ berichtet, das durch diesen niveaulosen Wahlkampf entstanden sei. Das ist natürlich Quatsch. Die USA sind schon lange gespalten, wie auch die gesamte Welt in oben und unten, in männlich und weiblich, gespalten ist. Die Armut wird schlimmer, die Eliten immer reicher, die alten weißen Männer halten sich an der Macht.

Shen wir zu den Phillippinen. Staatschef Duterte lässt Tausende Menschen umbringen, angeblich ein Kampf gegen die Drogen. Gegen seine verbalen Entgleisungen ist Trump harmlos. Schauen wir nach Europa: Polen: Der Rechtspopulist Kaczyński ließ als erstes die EU-Flaggen abhängen und versuchte ein vollständiges Verbot von Abtreibungen durchzusetzen. Ungarn: Premierminister Orbán schaltet die Presse gleich und erklärt den Kampf gegen Flüchtlinge zur Staatsräson. Österreich bekommt vermutlichj in wenigen Wochen einen Bundespräsidenten der FPÖ. Türkei: Der Präsident Erdoğan „säubert“ die  Gesellschaft, steckt JournalistInnen, RichterInnen, Abgeordnete ins Gefängnis, schließt Zeitungen, Radio- und Fernsehsender, führt Krieg gegen das kurdische Volk. Schauen wir nach Frankreich, sehen wir eine erstarkende Rechte. Die Schwedendemokraten verschaffen sich mit rassistischen Parolen Gehör. Sehen wir die Erfolge der AfD, sehen wir eine ähnliche Entwicklung. Undemokratische Autokratien gibt es in Afrika, in Russland. Der Brexit, der Austritt Großbritanniens aus der EU, kam vor allem aufgrund der xenophoben Kampagne von UKIP zustande. Die Menschen wählen diese Strömungen, die Figuren. Vielen wählen allerdings nicht mehr. Sie sind im Übrigen das wahre Fundament der zunehmenden Entdemokratisierung, Unsozialisierung der Gesellschaften. Sie haben sich aus dem System verabschiedet, sie glauben ihm nicht mehr.

Trump ist kein Zufall. Vielleicht hätte Bernie Sanders, der Mitbewerber von Hillary Clinton bei den US-Demokraten, ein besseres Ergebnis erzielt. Auch er ist ein alter Mann, aber ein Sozialist, der die Jugend begeisterte.

Vielleicht kann diese Entwicklung noch umgekehrt werden. Das bedarf viel Kraft. Es bedarf überparteilicher Bündnisse unter den Vernünftigen. Und eine Neudefinition von Macht und Perspektive. Wenn die Gesellscahften nicht sozialer werden, werden Rassismus, Ausgrenzung und eine weitere Umverteilung nach oben voranschreiten.

Ich hatte in den 1980er Jahren Angst. Angst vor Ronald Reagan, vor allem nachdem 1984 seine „Mikrophonprobe“ um die Welt ging: „Meine amerikanischen Mitbürger, ich bin erfreut, Ihnen heute mitteilen zu können, dass ich ein Gesetz unterzeichnet habe, welches Russland für immer für vogelfrei erklärt. Wir beginnen mit der Bombardierung in fünf Minuten.“ Dann kamen die Bushs. Sie waren nicht viel besser. Bush junior setzte durch, dass in den Schulen die Evolutionstheorie Darwins aus den Lehrplänen heraus genommen wurde. Er war und ist davon überzeugt, dass die Menschehit von Aliens abstammt, die einst auf die Erde kamen. Bush junior inszenierte unter zuh Hilfenahme einer Lüge einen Krieg im Irak.

Dass heute Menschen wieder Angst haben, verstehe ich. Trump will eine Mauer zu Mexico bauen. er will alle Muslime aus dem Land werfen. Er will, dass alle Menschen Waffen tragen dürfen. Das sind Kriegsansagen an die Menschen, an den Frieden. Wobei wir ja auch jetzt keinen Frieden haben. Auf der Welt gibt es unzählige Kriege. Hätte Hillary Clinton daran etwas verändert? Wahrscheinlich nicht.

Diese Angst darf nicht lähmen. Sie darf nicht sprachlos machen. Hat sie mich damals auch nicht.

Ein Kommentar

  1. Die Clinton war in keinster Weise für mich als Frau wählbar. Nehme ich nur mal das Frauending. Als ihr schwanzgesteuerter Mann in seiner Amtszeit sie und das Volk belog und betrog hat die blöde Kuh nicht reagiert. Warum?

    Zwei Möglichkeiten hatte sie: 1. eigene Liebhaber zu servieren oder
    2. sich zu trennen.

    Wir wissen, sie blieb und bestimmt nicht aus Liebe. Frau läßt sich doch nicht öffentlich vom eigenen Ehemann bloßstellen! Dann hätte sie eigene Konturen entwickeln können und wäre auch für mich wählbar. Sie wollte nur nicht aus dem Machtbereich heraus. Schade.

    Sie wurde auch vorwiegend nur von jungen Frauen gewählt. Für eine erfahrene Frau ist sie unwählbar, weil sie die Frauen verraten hat.

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