Kersten Artus

Journalistin

Schwimmen gehen mit Oma

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img_3491Was es heute alles gibt: Schwimmwindeln! Ich konnte mein Entzücken nicht verbergen. Da ich es mit meinen Kindern nie geschafft hatte, an einem Babyschwimmkurs teilzunehmen, war das heute auch für mich eine Premiere.  Aber Schwimmwindeln, die gab es vor 25 Jahren ganz bestimmt noch nicht.

Ich war nicht die einzige Mutter einer Mutter eines kleinen Kindes, die mit zum Babyschwimmen gegangen war. „Guck mal, da ist auch eine Oma“, höre ich in der Umkleide hinter mir. Dass ich gemeint gewesen war, begriff ich nicht sofort. Die Rolle ist doch noch ungewohnt.

Ungewöhnlich war auch vieles andere: Überall lagen weiche Unterlagen herum, auf denen Babys ausgezogen werden konnten.  Das Publikum war einschlägig: Die Badehalle füllte sich langsam mit Frauen und Babys. Wenigstens ein Vater war – alleine mit Sohn – dabei.

Man glaubt vielleicht, wenigstens beim Babyschwimmen werden noch keine großen Unterschiede bei den Lütten gemacht? Weit gefehlt. Schon am Handtuch erkenne ich das Geschlecht. Zwei Babys trugen sogar Badeanzüge! Eine Mutter hatte ihrer Tochter über die Schwimmwindel einen Mini-Bikinislip gezogen. Was ziemlich albern aussah.

Eine Studie hatte vor vielen Jahren ergeben: Das Weinen eines kleinen Jungen wird eher auf Ärger zurückgeführt, das Weinen eines kleinen Mädchens auf Angst. In beiden Fällen war dasselbe Kind zu sehen, nur der Vorname änderte sich. Was ist nun, wenn ein Baby im Wasser weint? Es gefällt ihm objektiv etwas nicht. Aber ärgert es sich oder hat es Angst? Was soll das mit dem Geschlecht zu tun haben? Es macht objektiv keinen Sinn, Kinder beim Babyschwimmen in männlich und weiblich zu verkleiden. Dass die Sexualisierung kindlichen Verhaltens überall präsent ist, eben auch im Schwimmbad, hätte ich mir denken können. Ich ärgere mich trotzdem darüber, und weiß gleichzeitig: Die Eltern machen es nicht bewusst..

Schwimmen gehen ist was Schönes. Ich schwimme für mein Leben gern. Auch für Babys ist das Wasser ein tolles Element. Und da sogar schon zwei Weltkongresse zum Babyschwimmen stattgefunden haben, gibt es offenbar auch jede Menge Fachleute, die wissenschaftliche Gründe anführen könnten, warum Babyschwimmen gut für die Entwicklung ist. Eine Modeerscheinung ist es auf jeden Fall nicht.

Ich glaube, dass es vor allem gut ist, das Element Wasser zu erleben. Das Körpergefühl ist ein anderes – wir selbst merken es ja, wenn wir das Wasser verlassen und die Schwerkraft wieder auf uns wirkt. Ich glaube auch, dass Babyschwimmen Vertrauen und Nähe fördert. Dass die Teilnahme nichts extra kostet, hat was! Gut, dass Bäderland in öffentlicher Hand ist.

Es war faszinierend: Kein Kind hat im Wasser geschrien oder gequengelt. Das mag ja Zufall gewesen sein, aber auch unserem Kleinen gefiel das Schaukeln und Schwingen im pieh-warmen Wasser. Die „Älteren“ freuten sich, dass sie mit Beinestrampeln herumspritzen konnten.

Babyschwimmengruppenleiterin Esther erklärte, die man die Kleinen festhält, damit sie nicht unter Wasser geraten. Eigentlich einfach: Unter die Arme greifen. Dann wurde ein Lied angestimmt. Das klang sehr nach Rolf Zuckowski, den ich nicht leiden kann. Na gut, nach den Badeanzügen ertrage ich auch diesen Kitsch. Der einzige Vater konnte das Lied – irgendwas mit fiderallalla – perfekt und sang lauthals. Im zweiten Spiel wurden die Namen aller Kinder gerufen: Helena, Sam, Gregor, Till. Ah, das hörte sich gut an, dachte ich mir. Sind die Trendnamen Mia und Ben endlich out?

Das dritte Spiel machten wir nicht mehr mit. Pro Lebensmonat sollte ein Säugling nur fünf Minuten im Wasser bleiben, hatten wir erfahren. Also sagten wir nach einer Viertel Stunde Tschüs. Unser erstes Babyschwimmen war aufregend, hat viele Eindrücke hinterlassen und Spaß gemacht. Und ich bin nicht das letzte Mal dabei gewesen. Wenn ich denn wieder mitkommen darf …

 

 

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