Kersten Artus

Journalistin

Kein Ende der Superlative

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img_4278Die Koffer sind gepackt, das letzte Frühstück im achten Stock des Peace Hotels eingenommen. Wir starten zu unserer letzten Station, bevor es mit dem Flieger nach Hause geht: Termin beim Frauenverband. Xu Feng und Li Rong empfangen uns am Eingang des Hauses, das der Shanghai Women’s Federation gehört. Frau Xu /(spricht man „Kschü“ aus) ist erst seit kurzem Vorsitzende. Vorher war sie in der Behörde für die Lebensmittelüberwachung tätig und davor stellvertretende Generalsekretärin des Jugendverbandes. Wir waren die erste ausländische Delegation, die sie empfangen hat.


Uns erwartet ein detallierter Vortrag mit vielen Fakten: 200 Mitgliedsverbände hat die SWF, darunter Parteien und Berufsverbände. Der SWF ist bis in die dörflichen Strukturen hinein organisiert und jede Chinesin ist automatisch Mitglied. Eine Mitgliedschaft in einem der Berufsverbände – u.a. für Journalistinnen und Ingenieurinnen – muss beantragt werden. Zu 75 Prozent wird der SWF von der Regierung finanziert, 25 Prozent sind Spenden. Die Schritte zur Gleichberechtigung sind im zwölften Fünfjahresplan festgelegt und die Aufgabe des SWF ist es, die Verwirklichung wie auch die geltenden Gesetze zu überwachen.

Wir erfuhren einige Zahlen, die den Stand der Gleichstellung markierten: Der Frauenanteil bei der Konsultativen Konferenz beträgt nur etwas über 20 Prozent. Die Frauenquote im Managementpositionen beträgt immerhin 33,2 Prozent, wobei es im Top-Management genauso schlecht wie bei uns aus sieht. 35 Prozent beträgt der Anteil an Professuren, 48,5 Prozent bei Masterabschlüssen, 36,2 Prozent bei Doktoranden. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Frauen beträgt in China 84,8 Jahre, die der Männer beträgt 80,2 Jahre – die höchste in China.

Der SWF hat die Aufgabe, zwischen verschiedenen Regierungsbehörde koordinierend tätig zu werden, um Gleichstellungsziele zu erreichen. Er kann dem Volkskongress Vorschläge machen.

Konkret berichtete Frau Xu von Gesundheitsuntersuchungen, die für Frauen kostenlos sind. Auf Vorschlag des SWF wurde zwei weitere Krankheiten in dieses kostenlose Angebot aufgenommen. Frauengesundheit scheint den Berichten nach einer der Schwerpunkte des Frauenverbandes zu sein. DImmer wieder erwähnt sie die psychische Beratung fürFrauen, zum Beispiel, wenn sie Konflikte am Arbeitsplatz haben. Außerdem würden belasteten Frauen bei der Organisierung von Haushaltshilfen unterstützt. Das machte uns deutlich, dass die reproduktive Arbeit auch in Shanghai vorwiegend an den Frauen hängen dürfte.

Auf das Thema häusliche Gewalt antworteten die Frau Xu und Frau Li, dass es eine Hotline bei der Polizei gäbe und ein Netzwerk, um betroffenen Frauen zu helfen. Allerdings wäre das selten und eher im Bereich der „Kalten Gewalt“, womit sie psychische Gewalt meinten. Bei den WanderarbeiterInnen käme Häusliche Gewalt öfters vor.

Unsere Stunde bei der Shanghai Women’s Föderation ging viel zu schnell um, als das alle wichtigen Fragen gestellt, geschweige denn beantwortet hätten werden können. Ich hätte brennend gerne gewusst, ob es Frauenhäuser gibt und ob Intersexualität thematisiert wird. Der Abschied war herzlich und sicherlich war es nicht das letze Mal, dass wir Kontakt hatten.
img_3922Den Weg zum Flughafen verkürzten wir, in dem wir mit dem Transrapid fuhren. Wir waren gerade eben eingestiegen, als die Fahrt auch schon wieder zu Ende war. Die Maximalgeschwindigkeit betrug (nur) 300 km/h.Bekanntermaßen ist der Transrapid in Shanghai ein wirtschaftlicher Flop – und das mit 1,2 Milliarden Euro an deutschen Steuergeldern. Trotzdem war es spannend, einmal damit zu fahren, gebe ich zu.

Und die als wenn es der Superlative noch nicht genug war, wartete am Airport ein Airbus A380 auf uns. Der Doppeldecker ist fast 73 Meter lang, über 24 Meter hoch und hat eine Spannbreite von knapp 80 Metern. Er ist unvorstellbare 560.000 Kilogramm schwer. Wie hält sich so eine schwere Maschine in der Luft? Es ist faszinierend!

Der Abschied von unseren Gastgebern ist nun unausweichlich. Herr Cheng und Herr Zhou, aber auch Lars Anke  und Hau Pan haben uns eine Woche lang begleitet und für jede Frage zur Verfügung gestanden. Die Delegation wäre nicht so erfolgreich gewesen, wenn sie nicht dabei gewesen wären. Sie haben organisiert und gedolmetscht und uns durch das turbulente Shanghai gelotst. Auch unserem Busfahrer haben wir am Ende sehr gedankt. Man muss Nerven haben bei diesem Verkehr. Danke, Danke, Danke! Tschüs Shanghai – machs gut. Bis zum nächsten Mal!

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