Kersten Artus

Journalistin

Urlaub auf „Oomram“

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dsc_7788Fahrradschlösser wie diese dürfte es eigentlich nicht mehr geben. Ein dünner PVC-Schlauch ummantelt ein etwa 1-Zentimeter dickes Drahtband. Ein einfacher Schlüssel wird einmal umgedreht – dann ist das Schloss zu. Es reicht eine Rosenschere, um dieses Schloss durchzutrennen. Würde ich mein Fahrrad mit so einem Schloss in Hamburg anschließen, keine Versicherung würde es mir ersetzen, wenn es geklaut würde. Auf Amrum wird wahrscheinlich nie ein Rad geklaut. Ich benutze es trotzdem, als Hamburgerin ist man so sozialisiert.

Zwei Wochen Oomram (Amrumer Friesisch für Amrum). Ich bin das erste Mal hier, fast alle anderen Nordseeinseln habe ich schon besucht. Warum ich noch nie hier gewesen bin, weiß ich auch nicht. Amrum ist klein, dörflich und untouristisch. Jetzt im August gibt es zwar kein freies Quartier mehr, aber die Strände wirken menschenleer. Strände auf Amrum sind Sandwüsten. Wir müssen lange laufen, bis wir am ersten Abend die Füße in die Nordsee stecken können – auch bei Flut. Was für eine einzigartige Landschaft, dieser Kniepsand! Sogar Wikipedia widmet ihm einen ausführlichen Beitrag.

Auf Amrum erleben wir auch, was in unserer Großstadt Hamburg ebenfalls nicht üblich ist: Wer entgegenkommt, grüßt. „Moin“, „Nabend“, „Guten Tag“. Kenne ich die?, frage ich mich anfangs. Dann habe ich mich an das Grüßen von Fremden (wieder) gewöhnt. Man stelle sich das mal in der Schanze vor. Oder auf der Mönckebergstraße. Oder an den U/S-Bahnhöfen Wandsbek-Markt oder Berliner Tor. Vermutlich stellt die Menschheit das Grüßen von Fremden in dem Moment ein, wo es wenig Aussicht gibt, die Person wieder zu treffen. Oder wo einem so viele Leute begegnen, dass es einfach zu anstrengend wäre, andauernd „Moin“, „Nabend“ oder „Guten Tag“ zu sagen.

Die Orte der Insel sind klein und alle schnell erreichbar. Warum Autos zugelassen sind erschließt sich mir nicht. Zumindest Gäste könnten ihre Kisten doch auf dem Festland stehen lassen? Wir haben am ersten Tag am Vormittag vier von fünf Orten mit dem Fahrrad durchquert, inklusive einem Strandgang und dem Verweilen in einem Eis-Café in Norddorf. Den Friesenbecher, den ich dort gegessen habe, empfehle ich nur sehr: Vier Kugeln mit Sahne, Krokant, Nüssen und einem festen, süßen Mus. Dazu zwei dünne Waffeln, die mit Butter gebacken wurden. Whow!

Abends, wir wollten gerade unter die Dusche, kam ein Paar etwa in unserem Alter aufs Grundstück. Ob hier die „Lange Hausverwaltung“ sei. Nö. Es stellte sich heraus, dass die Beiden hier ihre Ferienwohnung beziehen wollten. Die Adresse stimmte der unsrigen überein, nicht aber der Name des Vermieters. Wir fahndeten im Internet nach dem Namen „Lange“ auf der Insel und fanden eine, deren Telefonnummer mit der, die bei dem Paar auf der Buchung stand, übereinstimmte. Dann fuhren sie davon. Ob sie ihre Wohnung noch gefunden haben? Bislang sind sie hier noch nicht wieder aufgetaucht.DSC_7804

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