Kersten Artus

Journalistin

Gender und Sport: Frauen wollen etwas bewegen, Männer repräsentieren.

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fahne-lisaRedebeitrag auf dem Landesparteitag am 27. Juni 2015

Wenn DIE LINKE Hamburg in den kommenden Monaten alle Kraft aufbringen will, damit Olympia nicht in unserer Stadt stattfindet, dann treiben uns unsere sozialen Ziele voran. Die Ausrichtung der olympischen Spiele verursachen Kosten in Milliardenhöhe. Sie schaden der Umwelt, sie vertiefen die soziale Spaltung, sie haben auf den Breitensport keine positiven Auswirkungen. Es sind die Erfahrungen anderer Städte auf der ganzen Welt, die unser Motor sind, NOlympia zu unterstützen.

Sport erfüllt eine wichtige gesellschaftliche und soziale Funktion. Er fördert das Miteinander und er ist grundsätzlich gesund. Er kann auch dazu beitragen, Geschlechterstereotype abzubauen oder aber sie zu verschärfen. Und weil Geschlechterverhältnisse auch im Sport wirken und durch die strukturelle Unterdrückung von Frauen Diskriminierungen hier Alltag sind, haben wir das Frauenplenum dem Thema Gender und Sport gewidmet.

Hamburg gilt als Hauptstadt des Rudersports, denn der erste Ruderclub Deutschlands wurde in Hamburg gegründet. Doch es hat 179 Jahre gedauert, bis auch dort die Frauen endgültig wahrgenommen werden: Der elitäre Hamburger und Germania Ruder Club nimmt künftig auch Frauen auf. Das tat er nicht freiwillig.

Die Stadt Hamburg hat eine Bürgschaft für ein neues Clubhaus davon abhängig gemacht.

2010 war bei den olympischen Winterspielen in Vancouver Frauenskispringen nicht zugelassen. Auch eine Klage der Skispringerinnen hatte keinen Erfolg. Formale Gründe wurden vorgeschoben. Vielleicht hat es aber auch daran gelegen, dass der Präsident des Internationalen Ski-Verbandes der Meinung war, eine Gebärmutter könnte Schaden bei der Landung einer Skispringerin nehmen.

Tatsache ist, dass wir beim Sport etliche Geschlechterstereotype vorfinden. Nun wissen wir alle, dass Männer aufgrund ihrer Körperlichkeit schneller laufen, höher springen und mehr Gewichte stemmen können. Daran stört sich eigentlich auch niemand.

Problematisch wird es, wenn die ungleichen körperlichen Leistungen dazu benutzt werden, Machtstrukturen aufzubauen und zu legitimieren. Das ist im Sport der Fall. Und insbesondere wenn Sport kommerziell ausgerichtet wird, werden beispielsweise Schönheitsidealen klischeehaft bedient – und durch die Medienberichterstattung auch noch gefestigt. Schaut Euch mal ein Beachvolleyballturnier an. Selbst beim Frauenfußball haben die Moderatoren oft Mühe, keine sexistischen Kommentare abzugeben.

Ziel einer sportpolitischen Gleichstellungspolitik muss es sein, Stereotype aufzuzeigen und sie anzugehen. Gleichstellungspolitik heißt dabei nicht Gleichmacherei. Gleichstellungspolitik heißt, Unterschiede aufzuzeigen und differenzierte Förderungen einzuleiten.

Ob bei Übungsmethoden, Zeiten des Trainings, Kleidervorschriften bei Wettkämpfen, bei den Sportgeräten oder Sportstätten – erst wenn man Unterschiede gezielt sucht, kann man feststellen, ob und wie sie sich nachteilig auswirken und wie sie beseitigt werden können. Dann stößt man auf die Barrieren, von denen die Barriere im Kopf durch die stete Reproduktion von Geschlechterbildern wohl die Höchste ist.

In Berlin geschieht bereits viel. Gast auf dem Frauenplenum am 17. Juni war Gabriele Hiller, sportpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus. Dort wurden beispielsweise vor dem Bau einer neuen Sporthalle die verschiedenen Interessen der Geschlechter berücksichtigt. Vor allem beim Bau der Umkleidekabinen.

Es gibt außerdem in Berlin eine Verpflichtung für alle Sportvereine, dass sie ihre Hallen und Plätze gleichberechtigt an Frauen und Männer, bzw. Jungen und Mädchen vergeben müssen. Das klappt längst nicht immer, aber es nötigt die Verbandsfunktionäre, geschlechtsdifferenziert zu denken. Gabriele stellt zugespitzt fest, beim Sport sei es so: Frauen wollen etwas bewegen. Männer wollen repräsentieren.

Viele Menschen sind der Ansicht, dass Olympia neu erfunden werden sollte. Dem stimme ich zu. Der Gigantismus der IOC ist unsozial. Er fördert Korruption, Machtbünde und Doping. Der Olympia-Wahnsinn muss gestoppt werden. Genauso wie das Mackertum im Sport.

Wir brauchen stattdessen Investitionen in den Breitensport, in gesunden Sport. Hamburger Kinder sollen endlich wieder schwimmen lernen, Migrantinnen Fahrrad fahren, Ältere durch gezielte Sturzprävention länger mobil bleiben. Sport ist für die Gesellschaft zu wichtig, um ihn den Profitinteressen einiger weniger zu überlassen.

Deswegen kämpfen wir gemeinsam dafür, dass die Mehrheit der Bevölkerung sich beim Referendum am 29. November 2015 gegen eine Bewerbung Hamburgs für die Ausrichtung der Olympischen Spiele im Jahr 2024 aussprechen.

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