Kersten Artus

Journalistin

Sommersprechstunde in Eidelstedt

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img_5387Es ist heiß, über 30 Grad im Schatten. Die Linie 4 bringt mich nach Eidelstedt, ich steige in einen klimatisierten Bus ein – whow! Der Eidelstedter Platz wird – ebenso wie am Grindel –  mit den Baumaßnahmen des Busbeschleunigungsprogrammes malträtiert. Die Bauwirtschaft muss jubeln! Die Bevölkerung nicht. Haltestellen werden verlegt, Zäune sperren die gewohnten Wege ab. In der Hitze Umwege laufen, nervt. Egal – ich habe heute Sprechstunde am Eidelstedt-Center und treffe mal wieder auf einen ganz anderen Teil Bevölkerung in Eimsbüttel.

Rainer, Helli, Carola und auch Gerald gesellen sich zu mir. Und dann kommt plötzlich der Überraschungsgast um die Ecke: Peter Stange ist aus Berlin zu Besuch. Mein alter Genosse, einer der ersten politischen Sekretäre, die ich Anfang der 1980er Jahre kennengelernt habe.  „Ich habe Dein Plakat gesehen, da dachte ich, ich komme vorbei“, sagt er. Und bleibt die ganze Zeit. Aber auch die Eidelstedterinnen und Eidestedter werden auf meinen kleinen Stand aufmerksam. Kaum habe ich aufgebaut, bin ich schon ein Parteiprogramm los. Später wirft sogar jemand ein paar Münzen in das Kapitalistenschwein.

Nebenan ist Wochenmarkt – die Leute trödeln gemütlich. Bei der Wärme bewegt sich niemand schnell. Es sind überwiegend ältere Leute, die hier einkaufen gehen oder sich ins Café setzen.  Immer wieder bleiben einzelne stehen und schauen neugierig auf mein Tablett. Die Pflaster sind schnell weg, zwei weitere Parteiprogramme wechseln die Besitzerin. Eine Frau fragt mich, warum „die Merkel“ es schafft, an der Macht zu bleiben. Ich gebe erst einmal keine Antwort, sondern warte auf ihre Erklärung – die sie prompt liefert: „Ich habe letztes Mal nicht mehr gewählt, davor mal die SPD, aber es verändert sich ja nichts.“ „Ja“, sage ich, „das verstehe ich. Aber wer nicht wählen geht, lässt diese Leute an der Macht.“ Sie schaut mich an, als wenn ich puren Blödsinn geredet habe. Daher erzähle ich ihr, wie wir als Opposition Veränderungen bewirken. Ob ich sie überhaupt erreicht habe? Oder bin ich für sie auch nur eine von jenen, die geschliffen reden, aber nichts für ihre Situation tun? Ich wünsche ihr ein schönes Wochenende und gebe ihr meine Karte mit. Vielleicht fasst sie ja noch mal Vertrauen und meldet sich.

Die Sonne kriecht um die Gemäuer, die uns Schatten spendeten, es geht auf 13 Uhr zu. Es wird auch auf der Straße ruhiger. Zeit, einzupacken.  Jetzt gibts gleich einen frisch gemachten Obstsalat.

Ein Kommentar

  1. Schade, dass ich nicht dabei war! Aber ich hoffe, es klappt nächsten Samstag am Schlumpf (oder so).

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