Kersten Artus

Journalistin

Kita-Kind

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img_1820Seit Anfang des Monats ist mein Enkel in der Krippe. Und hat sich gleich einen dicken Rotz eingefangen. Das ist normal, aber ein bisschen tut er mir schon Leid. Aus Nase und Auge quellen Sekrete. Trotzdem hat er letzte Nach bei mir im Bett durchgeschlafen. Heißt: von halb zehn Uhr abends bis morgen zwanzig vor acht. Ich finde, es ist das Größte, ein Baby im Bett zu haben. Das sanfte Schnaufen, der gute Geruch, der warme Körper – welche Hormone sind eigentlich dafür verantwortlich sind, dass sich das so gut anfühlt?

Mein Enkel ist ein Robber. Das heißt: Er bewegt sich im Schlaf quer durch das ganze Bett. Unter durch- und über allem hinweg. Wie einst seine Mutter, denke ich und fühle mich noch ein bisschen wohler.

Die Krippe fordert ein Kind nicht nur wegen Trilliarden Viren und Bakterien, die stets im Angriffsmodus sind, heraus. Andere Kinder, komplizierte Spielgeräte und die Erzieherinnen sind interessant und manchmal beängstigend.

Meine Tochter erzählte, dass der Kleine zum Fasching am Vormittag nicht dabei sein sollte. Weil das zu stressig für einen Neuling sei, meinte die Erzieherin. Da aber Eingewöhnungswoche war, sollte er stattdessen am Nachmittag kommen, die Party wäre dann vorüber. Gesagt, getan. Unter den Kindern, die dort noch in Kostümen und Schminke herumliefen, war auch ein als Geist verkleidetes Mädchen, mit großen, schwarz geschminkten Augen. Mein Enkel erschrak so sehr, dass er anfing, ganz heftig zu weinen. Auf dem Arm der Erzieherin ließ er sich trösten. Doch erst als der kleine Geist anfing, zu lachen, entspannte sich der Kleine und verlor seine Angst. Fasching ist eben eigentlich gar nicht lustig.

Am Abend hatten wir zusammen am Tisch gegessen. Ich hatte vegan gekocht, Lauch-Curry-Gemüse mit Couscous. Mein Enkel krümelte das Getreide voll Lust über den halben Tisch. Dann klatschte er mit einem Mal mehrfach hintereinander in die Hände! Ganz ehrlich: Das ist so phänomenal wie Laufenlernen! Was muss ein kleines Gehirn dafür alles beherrschen? Welche großartige Koordination ist dafür nötig? Bedenkt man, dass man beiden Händen parallel das Signal geben muss, die Innenflächen aneinander zu schlagen, und das zu wiederholen, immer mit dem gleichen Tempo. Ganz bestimmt hat er das aus der Kita mitgebracht. Dass er abends seine volle Windel in den Mülleimer getragen und dort hinein geworfen hat, etwa auch? Die Windel am Morgen legte er nur davor und wollte Weggeworfenes herausfischen.

Ich bin letzte Woche mit in der Kita gewesen – aber nur bis vor die Tür, denn in der Eingewöhnung darf nur eine Bezugsperson mit in die Räume, auch wegen der anderen Kinder. Da hörte ich eine lange nicht mehr gehörte Stimme und sah ein lange nicht mehr gesehenes Gesicht: „Schlicki“, die Erzieherin meiner Kinder. Zunächst erkannte sie mich nicht, was für ein Wunder, aber dann gab es doch ein Hallo! Sie hört allerdings dieses Jahr auf. Wenn ich bedenke, dass eine Frau ein ganzes (Berufs-)leben lang kleine Kinder betreut, dann ergreift mich großer Respekt. Ich war über jede Altersphase froh, die meine Kinder überwunden hatten.

So hänge ich meinen Erinnerungen an die Kita-Zeit meiner Kinder nach, denke auch an Elternratssitzungen und Sommerfeste. Selbstständig sind sie dort geworden. Und kontaktfreundlich. Ich schaue Fotoalben durch. Viele Basteleien und gemalte Bilder habe ich aufgehoben. Eine Papp-Laterne meines Sohnes hängt bis heute bei uns im Flur. Sie ist weiß, wenn auch schon vergilbt, mit langen „Haaren“ aus Krepp. Es ist ein Gespenst, das lacht.

2 Kommentare

  1. Dann wollen wir mal hoffen, dass dieses frühe Abnabeln von der Mutter keine Spätschäden verursacht. Ich hörte immer, dass die ersten 3 Lebensjahre die wichtigsten sind. Scheint sich geändert zu haben. Na dann, viel Glück.

  2. Liebe Elke, dem Kleinen gefällt es sehr gut in der Kita. Andere Kinder sind wichtig für die soziale und geistige Entwicklung und zwar von Anfang an und nicht erst ab 3 Jahren.

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