Kersten Artus

Journalistin

Auf der Suche nach der Ente und dem Gesundwerden

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UPDATE Mein Enkel ist krank. Gestern ist er an den 40 Grad vorbeigeschrammt. Das Fieber hat ihn inne halten lassen. Dösen, Kuscheln, nur Schauen – der kleine Körper hatte viel damit zu tun, den Virus zu bekämpfen. Heute geht es ihm wieder besser. Die Temperatur ist noch leicht erhöht, eine Spazierfahrt kam da genau richtig.

Zunächst haben wir eingekauft: Einmalhandschuhe, Wischlappen, Schwämme und eine große Packung Niedereggermarzipan. Damit sind wir zum Hauptbahnhof gefahren und haben die große Tüte den FlüchtlingshelferInnen übergeben, die die Zelte auf dem Hachmannplatz verwalten. Sie brauchen diese Sachen dringend, stand auf Facebook zu lesen. Naschis für die Pause müssen natürlich auch sein. Der Chef des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, Dr. Joachim Speicher, war auch gerade da. Auch andere, die ich gut kenne, standen vor den Zelten.

In der Wandelhalle des Hauptbahnhofes waren eine Menge neuer Flüchtlinge angekommen, viele Kinder darunter. Ich hoffe, sie bekommen schnell ein gutes Quartier und warme Sachen – trotz meiner Zweifel, ob das gelingt.

Auf dem Rückweg haben wir für meinen Enkel eine Wecke gekauft und für mich einen neuen Roman. Das Brötchen hat ihm geschmeckt. Am Schlump sind wir ausgestiegen und haben einen Sack voll Clementinen gekauft. Während ich bezahlte, stibitzte mein Enkel eine Weintraube aus der Auslage. Das war klar Mundraub und er hat ein paar weitere geschenkt bekommen.

Wieder zu Hause haben wir etliche Male das selbe Bilderbuch durchgeschaut, „Kleine Ente wo bist Du?“: Die Maus Olli kann nicht einschlafen, weil ihre Ente weg ist. Olli sucht im Kinderzimmer, in Küche, Bade- und Wohn- und Esszimmer, im Flur. Nirgendwo findet sie sie. Schließlich findet er sie in seinem Bett. Die Suche  findet im Buch mit Klapp-Pappen statt. Man kann die Waschmaschine , die Schränke, den Mantel an der Garderobe, den Duschvorhang, die Kissen aufklappen. Immer ist etwas anderes darunter: Hausschuhe, ein Keks, ein Handy. Mein Enkel liebt dieses Buch. Und auch ich entdecke immer wieder etwas Neues. Je länger und je öfter man es betrachtet, desto mehr kann man dazu erzählen.

Mittags ist das Fieber wieder angestiegen, sein Schlaf ist unruhig. Er weint etwas, die Augenlieder sind schwer. Ich beruhige ihn, er schläft weiter. Meine Kinder sind aus jedem Infekt gestärkt hervor gegangen. Jedes Mal hatte ich den Eindruck, das gesundete Kind ist ein wenig gereift. Also gehen wir da jetzt auch gemeinsam durch.

Vier Stunden hat der Lütte in meinem Bett gelegen, und danach war er richtig down. Erst nach dem er ein halbes Glas Milch getrunken und ich ihn mit einem halben Becher Bananenjoghurt („Mane“) füttern durfte, erwachten seine Lebensgeister wieder. Wir suchten wir erneut zusammen mit der Maus Olli die Ente.

Zwei Tage später habe ich den Kleinen erneut in Obhut, denn das Fieber will nicht weggehen. Wir gehen zum Kinderarzt. Es ist derselbe, den wir bereits mit unseren Kinder aufgesucht haben. Leider hat die Praxis zu, wir müssen zur Vertretung gehen, die zehn Minuten Fußweg entfernt ist. Was für ein Glück, denke ich, dass wir im „Dreiländereck“ St-Pauli-Eimsbüttel-Süd-Altona ausreichend Kinderarztpraxen haben, denke ich. Die Ärztin stellt eine Bronchitis fest. Wir holen drei verschiedene Medikamente aus der Apotheke: Fieberhaft, etwas für die Bronchien und Antibiotika.

Auch viele Flüchtlingskinder sind erkrankt. Sie haben Infekte und Fieber. Haben sie Bücher, aus denen ihnen vorgelesen wird? Können sie ausreichend schlafen? Sind sie in guter ärztlicher Betreuung? Bekommen sie schnell die notwendigen Medikamente? Jedes Kind hat es verdient, die beste Behandlung und Betreuung zu bekommen.

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