Kersten Artus

Journalistin, Veranstaltungsmoderatorin, Öffentlichkeitsarbeiterin, Trauerrednerin

Blütentee, Quallensalat und Wachtel-Eier

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img_3715Shanghai, halb zehn morgens, Regen. Und zwar richtig. Und es hört den ganzen Tag nicht auf. Ausgerechnet an dem Tag, an dem wir ein bisschen Freizeit vom Protokoll her haben, muss es hier pieseln? Das ist echt gemein. Das Hotel stellt uns Schirme zur Verfügung.
Zunächst fahren wir zum Shanghai-Museum und werden durch die Ausstellung geführt. Wir bekommen uralte Gefäße erklärt und wie bedeutend und wertvoll sie sind. Je nachdem, wie viele Schriftzeichen ihnen eingraviert wurden definiert sich der Wert – denn die erzählen die Geschichte der Menschen, denen die Gefäße gehörten. Einige wurden auf Trödelmärkten in Hongkong entdeckt. Im Museums-Shop erstehe ich einen tolle Stola aus Seide.

img_3687Zweite Station am Sonnabend: Das Stadtplanungs-Museum. Wir besichtigen die Mini-Version von Shanghai – ein beeindruckendes Planmodell mit allen Bauten, die in den nächsten Jahren noch entstehen werden. Dann wird uns das U-Bahnnetz erklärt. Binnen weniger Jahre ist ein umfassendes Verkehrsnetz entstanden. Ein Tempo, das bei uns nicht vorstellbar wäre. Wir witzeln über die neueste Idee der SPD Hamburg, eine U5 zu bauen. Der Guide erklärt wissend viele Details. Doch auf die Frage, was das gekostet hat, bekommen wir ein hilfloses Grinsen und ein Achselzucken.

Dritte Station: Yu-Garden und Teehaus. Heute werden wir typische Shanghaier Spezialitäten essen. Darunter befindet sich auch ein Quallensalat. Es gibt keine Alternative: Das wird probiert. Die Gallertmasse ist überraschend hart. Qualle hat wie erwartet keinen Eigengeschmack. Aber der Salat ist pikant gewürzt.

Wir besichtigen die Altstadt, die so aussieht, wie wir es aus alten China-Filmen kennen. Nur rennen hier lauter TouristInnen herum und jede Menge China-Kitsch kann gekauft werden. Der Garten ist eine uralte, wunderschöne Anlage. Unter anderem steht hier ein 400 Jahre alter, riesengroßer, Gingko-Baum. Und die Jade-Steine sind zu bewundern. Es sollen die bekanntesten Steine der Welt sein.

img_3693Im Teehaus sind wir Frauen und Männern verabredet, die als Austauschstudierende in Hamburg und Shanghai waren. Sie berichten von ihren Erfahrungen. Es werden Glaskannen mit trockenen Blüten auf den Tisch gestellt. In dem heißen Wasser geht die Blüte nach kurzer Zeit auf. Minuten später färbt sich das Wasser und sieht aus wie Tee. Und es schmeckt natürlich auch so.

Zum Tee gibt es kleine Naschereien. Ich erkenne nicht, was es ist und frage nach: Es sind Wachteleier in Sojasoße gekocht, Tofu und eine Süßspeise. Es gibt wieder keine Alternative: Die Wachteleier müssen probiert werden. Sie schmecken wie Hühnereier, doch die Sojasoße ist in sie eingesogen, dass gibt dem Ei eine feine Note.

Das Gespräch ist interessant: Das Schulsystem war in Shanghai nicht immer so hart. Das habe sich erst mit dem Aufkommen der Privatschulen so entwickelt, wird uns erzählt. Der Druck, zu den Besten zu gehören, ist stetig gewachsen. Wer die Abschlüsse nicht schafft, wird im Leben nichts mehr – das sei die Meinung vieler. Daher wird gelernt und gelernt. Eine Lehrerin, die in Hamburg-Billstedt unterrichtet hat und jetzt in Shanghai lehrt, berichtet uns, dass ihre SchülerInnen manchmal vor Erschöpfung mitten im Unterricht einschlafen. Auch habe die soziale Ungleichheit zugenommen. Ich denke wieder und wieder an die tollen PISA-Test-Ergebnisse, die Shanghai auszeichnet. Ist es das wert?

img_3712Nach dem Gespräch nutzen wir die Zeit und schauen uns die Geschäfte an. Ich probiere, auf Empfehlung, den Preis zu handeln. Zum Glück muss ich nicht feilschen, sondern umgehend senkt die Verkäuferin den Preis der von von mir begehrten Porzellan-Essstäbchen umgehend um 30 Prozent ab. Fast schon besorgt fragt sie mich: „It’s too much for you?“ Ich nicke, bezahle und gehe hochzufrieden aus dem Kaufhaus raus. So würde ich mir das auch in Hamburg wünschen …

Zurück zum Hotel fahren wir mit der U-Bahn. Toll: Vor den Gleisen stehen hohe Glaswände. Dort, wo die U-Bahn Türen hat, öffnen sich nach der Einfahrt des Zuges auch dies Glaswände. Niemand kann auf die Gleise fallen, abgesehen davon, dass sie auch nicht verschmutzt werden können. Diese Wände wären auch an unseren U- und S-Bahnstationen eine gute Sache.

Hier hat man in China übrigens über unseren Besuch berichtet.

 

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