Kersten Artus

Journalistin, Veranstaltungsmoderatorin, Öffentlichkeitsarbeiterin, Trauerrednerin

Rede zum 8. März 2020: „Her mit dem schönen Leben – Brot *und* Rosen!

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Her mit dem schönen Leben! Brot und Rosen!,

… rief die New Yorker Gewerkschafterin Rose Schneiderman im Jahr 1911. Brot und Rosen wurde ein Jahr später DIE Streikparole für mehr als 20.000 Textilarbeiterinnen. Und sie sind heute unser Vorbild, wenn wir auf die Straße gehen und für ein besseres Leben kämpfen!

Denn geht es immer noch genau darum: Wir wollen Brot – und auch die Rosen dazu. Wir wollen ein schönes Leben. Denn wir haben – vermutlich – nur das eine.

Liebe Frauen, liebe Schwestern, Mütter, Großmütter, Tanten, Cousinen, Töchter, Enkelinnen, liebe Freundinnen, Nachbarinnen, Kolleginnen, Weggefährtinnen, Genossinnen, liebe Ladies und Damen,

heute, am 8. März, gehen wir Frauen millionenfach auf die Straße und fordern unsere Menschenrechte ein. Der 8. März ist unser Tag. Unser Gedenktag, unser Feiertag, unser Kampftag.

Denn wir können nicht zufrieden sein, und wir sind wütend über die Zustände:

Neben der häuslichen Gewalt und den Femiziden, den Hauptunterdrückungsformen des Patriarchats, sind es unsere körperlichen und sexuellen Selbstbestimmungsrechte, die wir immer noch nicht leben können.

Immer noch stehen Schwangerschaftsabbrüche in etlichen Ländern unter Strafe, was dazu führt, dass von circa 51 Millionen Abtreibungen jährlich über 20 Millionen unter hygienisch und medizinisch äußerst bedenklichen Bedingungen stattfinden. Und circa 23.000 Frauen jährlich daran sterben. Manche gehen von 50.000 Toten aus.

Es sind religiösen und patriarchalen Dogmen, die eine gute Gesundheitsversorgung verhindern; die freien Zugang zu Verhütungsmittel verhindern, die gute und sichere Schwangerschaftsabbrüche verhindern.

Es sind unsere Schwestern, Töchter, Mütter, die ihr Leben verlieren, weil das Patriarchat nicht will, dass sie abtreiben, wenn sie ungewollt schwanger sind. Lieber sollen sie sterben. Und selbst wenn wir hierzulande sichere Bedingungen haben, und einen rechtlichen Weg, nicht ins Gefängnis zu kommen, wenn wir Schwangerschaften abbrechen, können wir uns damit nicht zufriedengeben.

Wir sagen: Die §§ 218 und 219 gehören aus dem Strafgesetzbuch gestrichen!

Denn sie führen dazu, dass die Versorgungslage schlecht ist und immer schlechter wird. Schwangerschaftsabbrüche werden nicht einmal in der medizinischen Ausbildung vernünftig gelehrt. Dabei ist es gar kein schwieriger Eingriff. Und es kommt hinzu, dass der medikamentöse Abbruch immer noch keine Selbstverständlichkeit ist, sondern weniger als ein Drittel aller Abbrüche durch ihn erfolgt. Allerdings werden immer noch Ausschabungen gemacht – auch wenn sie medizinisch nicht nötig sind. Das ist aber eine risikoreiche Methode!

Es ist daher gut, dass es zunehmend kritische Mediziner*innen gibt, die das hinterfragen und anders lernen und lehren wollen. Es ist kein Wunder, dass dies überwiegend Frauen sind.

Liebe Anwesende,

wir müssen uns weiterhin massiver Angriffe und Verschlechterungen erwehren. Denn die neue Rechten, Faschisten und Maskulinisten wollen die Rechte von Frauen wieder zurückdrehen. Haben Angst um ihre Vorherrschaft. Haben Angst, Deutsche stürben aus, weil der Feminismus stärker wurde. Dabei ist es umgekehrt: Wir Feministinnen wollen eine offene, bunte Gesellschaft mit vielen glücklichen Kindern. Aber wir Frauen haben das Recht, zu entscheiden, ob, wann und wie viele Kinder wir in die Welt setzen. Und dafür kämpfen wir!

So ist es eine gute Nachricht, dass Abtreibungen in Argentinien nunmehr legal werden sollen. „Jede Gesellschaft“, so sagte es der Präsident des Landes, „muss die Entscheidung ihrer Mitglieder respektieren, frei über ihre Körper zu verfügen.“

Und genau das rufen wir auch den Regierenden hierzulande zu:

Wir haben das Recht, über unsere Körper frei zu verfügen. My body my choice!

My body, my choice
My body, my choice
My body, my choice
My body, my choice
My body, my choice

Ein Kommentar

  1. Super Rede, gefällt mir.
    Danke, liebe Kersten

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