Mein Verleger, der Nazi.

Frontansicht des Bauer-Verlagsgebäudes im Hamburger Kontorhausviertel
@keartus

Ich habe über 30 Jahre für den Bauer Verlag gearbeitet. Als kaufmännische und journalistische Auszubildende, Presse-Dokumentarin, Redakteurin. Und war immer wieder in Bauer-Betriebsräten engagiert. Ich kenne das Haus nahezu wie meine Westentasche – auch wenn ich die Unternehmerfamilie nie kennengelerent habe. Aber über die Kolleginnen und Kollegen, Stilllegungen, Rationalisierungen, Kündigungen, Sozialpläne und die damit immer verbundenen geschäftlichen Aktivitäten des Konzerns weiß ich ganz gut Bescheid – zumindest bis 2016, der Zeitpunkt, zu dem ich ausstieg. Über die Geschäftsaktivitäten zwischen 1933 bis 1945 lag immer ein dichter Nebel.

Weder auf der Firmenwebsite noch bei Wikipedia oder auf der Website des Hauses* der Pressefreiheit** finden sich bislang Hinweise auf diese Zeit. Bei der Unternehmenshistorie hört die Geschichte 1926 auf und fängt irgendwann wieder an – als wenn das Unternehmen aus einer langen, langen Starre, oder vielleicht auch aus dem Naziwinterschlaf, wieder erweckt wurde.

Und niemand hatte sich bislang die Mühe gemacht, nachzuforschen, wie das war bei dem Verlag, der mit vermeintlich unpolitischen, unterhaltenden Publikationen reich geworden ist. Sehr reich: Bauers gehören zu den reichsten Menschen Deutschlands. Sind also reich geworden mit Frauenpresse, der Bravo, Fernsehzeitschriften, Tratsch- und Klatsch-Postillen. Und Schmuddel wie Praline, Schlüsseloch, Wochenend und dem Edelschmuddel Playboy. Und offenbar mit Nazi-Ideologie.

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Zu wenig Frauen in den Medien-Spitzen

veröffentlicht in M – Menschen machen Medien

Sitzen sie immer noch fest auf dem Pavianfelsen namens Chefredaktion, die Herren Chefredakteure? Oder kommen die Journalistinnen mittlerweile auch in angemessener Anzahl an die Spitze der Medien? Nein, offenbar nicht! Der Verein ProQuote Medien hat jetzt den zweiten Teil seiner Studie veröffentlicht, in dem die Geschlechterverteilung in journalistischen Führungspositionen untersucht wurde. Schwerpunkt der Untersuchung waren Presse und Onlinemedien.

Das Fazit vorweg: Es hat sich in den letzten drei Jahren nur wenig verändert. Fast überall herrscht Stillstand. Es gab sogar Rückschritte. Und es scheint auch, dass das Thema in Verlagen und Redaktionen noch nicht als gemeinsame Angelegenheit angekommen ist. Auf der gut besuchten Pressekonferenz, die am 7. November im Hause bei Gruner und Jahr am Baumwall in Hamburg stattfand, war keine Handvoll Männer zugegen. Mehr lesen

Medienmagazin “M”: Der Streit um den § 219a StGB ist noch lange nicht zu Ende

veröffentlicht im Medienmagazin “M

Die Reform des Paragraphen 219a Strafgesetzbuch vom Jahresbeginn hat so gut wie nichts geändert. Ärztinnen und Ärzte, die über Schwangerschaftsabbrüche informieren und solche durchführen, werden weiter kriminalisiert. Abtreibungsgegner machen fortwährend mobil – nicht ohne Grund auch gegen Redaktionen, Journalistinnen und Journalisten.

Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland verboten. Treibt eine Schwangere ab, muss sie nach § 218 StGB mit einer bis zu einjährigen Gefängnisstrafe rechnen. Der Eingriff ist nur straffrei, wenn die Frau an einer Pflichtberatung teilnimmt, den Abbruch mit einem Mindestabstand von drei Tagen vornehmen lässt, er innerhalb der ersten 12. Schwangerschaftswochen stattfindet und Beratung sowie Abbruch von verschiedenen Personen durchgeführt werden. Mehr lesen

Dem Feminismus verloren

titel0616Die vermutlich älteste Frauenzeitschrift Deutschlands ist Ende 2015 das letzte Mal erschienen – und niemand hat es bemerkt. Frauenrat, die Publikation der gleichnamigen feministischen NGO, ist nach 63 Jahren eingestellt worden. In ihrer letzten Ausgabe beschäftigt sich das Blatt dem Thema Abschied.

Ich finde: Gerade in einer Zeit, in der die Gesellschaft über Sexismus diskutiert wie lange nicht, ist ein seriöses Blatt auch und gerade in gedruckter Form erforderlich. Mehr lesen

Wo wart ihr?

img_3720Seit 20 Jahren vermittelt die Lawaetz Service GmbH jungen Leute Wohnungen. Es ist eine besondere Gruppe, für die sie das macht. Es handelt sich  um Frauen und Männer, die in Jugendwohnungen gelebt haben. Sie gelten als Personen mit “Zugangserschwernissen”. Heißt: VermieterInnen wollen solche Leute nicht haben, weil sie Dreck, Krawall und Polizeieinsätze befürchten.

Jetzt feierte das Projekt mit einer Fotoausstellung 20-jähriges Bestehen. Ich war dabei – und wurde richtig sauer. Von der Hamburger Presselandschaft hat sich niemand blicken lassen. Interessieren Euch diese Menschen etwa nur, wenn es wirklich zu Polizeieinsätzen gekommen ist? Mehr lesen

Autoritätsverlust, Medieninkompetenz und Angstpolitik

urn-newsml-dpa-com-20090101-150113-99-02152-large-4-3„Lügenpresse“ lautet das Unwort des Jahres 2014. Gekürt wurde der Begriff aufgrund des Sprechchorals auf „Pegida“-Kundgebungen in Dresden, „Lügenpresse halt die Fresse“.

Neu ist der Begriff nicht. Und er wurde auch nicht von den Nazis erfunden. Aber es ist eine aktuelle Brisanz damit verbunden, die ihm jetzt zu diesem Titel verholfen hat. Mehr lesen

7. Frauenherbstmahlzeit in Hamburg

img_1429Tatsächlich müssen sieben Jahre vergehen, bis die Medien darauf aufmerksam werden, dass sich eine Veranstaltung in Hamburg etabliert hat, die einen Bericht wert ist. Die Frauenherbstmahlzeit wurde vom Hamburger Landesfrauenrat ins Leben gerufen und zieht jedes Mal zentrale Akteurinnen der Frauen- und Gleichstellungspolitik Hamburgs zum Netzwerken in schöne Räumlichkeiten – und ans Buffet. Mehr lesen

Filmabend mit Tränen und Lachen

galerie1Ich hatte zum Filmabend geladen und 30 Frauen und zwei Männer kamen. Gemeinsam schauten wir den Film “Töchter des Aufbruchs – Lebenswege von Migrantinnen” an. Ich hatte ihn bereits am 7. März diesen Jahres gesehen und wusste gleich: Den schaust Du Dir nochmal an, am besten mit anderen netten Leuten. Der Film ist sowohl inhaltlich wie auch von der Produktion her ein Genuss. Und informativ. Denn die Frauen, Gastarbeiterinnen der ersten Generation, ihre Enkelinnen und weitere junge Migrantinnen, erzählen Geschichten aus ihrem Leben in Deutschland. Mehr lesen

Edward Snowden in Hamburg

img_4502Wenn der Henri-Nannen-Preis verliehen wird, gibt es anschließend neben gutem Journalismus immer auch über einen Aufreger zu berichten.  2012 war dies die Ablehnung des Henri-Nannen-Preises durch Hans Leyendecker, Klaus Ott und Nikolas Richter von der Süddeutschen Zeitung.

In diesem Jahr gab es keinen Skandal – aber es wurde viel über einen geredet: Nämlich darüber, dass Edward Snowden immer noch nicht die Möglichkeit bekommen hat, in Deutschland auszusagen. Als Laura Poitras den “Henri” für ihre Berichterstattung über die US-Sicherheitsdienste überreicht bekam, gratulierte Snowden aus Moskau per Videoeinspielung und bekräftigte, dass er in Deutschland aussagen würde. Mehr lesen

Mein Gastbeitrag in Kot & Köter

fotoDas neue Satiremagazin Kot & Köter ist eigentlich schon ziemlich alt. Bereits vor vielen Jahren warb Journalist Wulf Beleites für seine Hundehasser-Zeitschrift. Er wurde in etliche Talkshows eingeladen, diskutierte dort mit dem 2008 gestorbenen Schauspieler und Tierschützer Gerd Haucke.

Kot & Köter gab es aber gar nicht. Es existierte nur der selbstgebastelte Umschlag. Die schon damals an reißenden Geschichten Notleidende Medienwelt nahm Wulfs Idee dennoch dankend mit. Ungeprüft, unreflektiert. Hauptsache Quote.

Jetzt hat Wulf alle Befürchtungen eintreffen lassen und Kot & Köter zum Leben erweckt. Die Reaktionen sind wie damals – pestende Drohschreiben, belustigende Texte in den Mainstreammedien. Ich halte seit gestern meine erste eigene Kot & Köter in den Händen – und freue mich, dass ich mit meinem Sachverständigentext einen Beitrag dazu leisten konnte. Hier ist er: Mehr lesen