Chancengleichheit 4.0

Veröffentlicht in DER FREITAG, 3/17 vom 19. Januar 2017

Bei der Debatte über die Digitalisierung der Arbeit wird allzu oft der Genderaspekt vergessen

Wenn demnächst intelligente Computer alle mögliche Tätigkeiten übernehmen und Maschinen menschliche Schaffenskraft sogar in kreativen Branchen ersetzen, könnte die Welt, wie wir sie kennen, tatsächlich verschwinden. Wir werden dann mitansehen, wie künstliche Intelligenz Arbeitsplätze für Millionen Menschen vernichtet.

Oft kreisen Studien, Analysen und Spekulationen um den Begriff Arbeit 4.0 oder Industrie 4.0 – als eine Revolution, die bereits in Gange ist. Einige Szenarien sind aus dem Kino bekannt: In Hollywood-Produktionen wie I Robot verrichten „NS-5“-Konstruktionen Dienste im Haushalt und in Surrogates arbeiten, leben und lieben Klon-Apparate für ihre zuhausebleibenden Originale das Leben außerhalb der Wohnung. Man mag über solche Visionen den Kopf schütteln, bedenke aber: Die Star-Trek-Crew arbeitete schon in den 1980ern mit Tablets, da wurden Zeitungstexte sonst noch auf Schreibmaschinen getippt.
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Wenn die anderen tanzen

dsc_0254veröffentlicht im FREITAG 9/16 vom 3. März 2016

Körbe mit geschnittenem Brot stehen auf den Tischen, dazu Schalen mit Butter und Marmelade. In den Fächern eines schmalen Regales stapeln Handtücher. Im Wohnzimmer liegen Tageszeitungen aus. Kemenate, der Tagestreff für wohnungslose Frauen in Hamburg, öffnet in einer Stunde.

Eine, die regelmäßig vorbei schaut, ist Martina Junge*. Noch steht die schmale Frau mit Mütze, dicker Jacke, Jeans und schwarzen Stiefeln in der Februar-Kälte vor der Tür und raucht. Sie hat Lippenstift aufgelegt, unter den Augen einen dünnen Kajalstrich gezogen. „Das ist drinnen nicht erlaubt.“, sagt sie und pustet den Qualm nach oben. Mehr lesen

Die Tödin

dsc_9938Weibliches Erbe: Die Theologin Andrea Martha Becker bildet Frauen zu Trauer- und Sterbebegleiterinnen aus. Erschienen im FREITAG, 12. November 2015

Der Tod war früher nicht allein unterwegs. Die Tödin begleitete ihn. Legenden, Gedichten und Sagen zu Folge stritten sie miteinander, führten Zwiegespräche, teilten sich die Arbeit. Tödinnen kennt heute so gut wie niemand mehr. Dabei ist der Tod im russischen und französischen feminin. Die „Santa Muerte“, die Tödin, spielt auch im Totenkult Mexikos und Kubas eine Rolle. Doch selbst bei Übersetzungen ins Deutsche wird er kurzerhand entweiblicht. Mehr lesen