Coronavirus: Mehr Schutzräume für Opfer häuslicher Gewalt

veröffentlicht auf Xing.com/Klartext am 20. März 2020

Jetzt soziale Distanz halten, um Ansteckungen zu vermeiden – der Satz sagt sich so einfach, der Appell hört sich so schlüssig an. Aber unerwünschte Nebenfolgen wurden offenbar überhaupt nicht berücksichtigt oder eingeplant.

Wer es noch nicht wusste, hier zwei Tatsachen. Erstens: Schon vor der Coronakrise waren Deutschlands Frauenhäuser überfüllt. Zweitens: Häusliche Gewalt hat nichts mit Wohnverhältnissen, Milieuzugehörigkeit oder Bildungsstand zu tun – sie findet überall statt. Die Coronakrise wird das Problem weiter verschärfen. Mehr lesen

Das Patriarchat ist 8000 Jahre alt. Das reicht.

Rede zum 8. März 2019 auf dem Hamburger Rathausmarkt

Weltweit gehen heute Menschen auf die Straße, um gegen die Unterdrückung von Frauen und Mädchen zu protestieren. Der Kampf um gleiche Rechte ist immer ein internationaler Kampf und macht vor keiner Grenze halt. Und wenn wir heute hier in Hamburg demonstrieren, dann sind wir auch in Gedanken an unsere Schwestern überall auf der Welt. Denn es sind überall die gleichen diskriminierenden Herrschaftsstrukturen, die Frauen weniger Rechte zugestehen. Die sie bewusst klein und niedrig halten. Oftmals mit Gewalt. Mehr lesen

Lieber tot als getrennt #keinemehr

Aktion der Autonomen Frauenhäuser vor dem Hamburger Rathaus

veröffentlicht in disput, Januar 2019

In der Bundesrepublik fehlen Tausende Plätze in Frauenhäusern – ein mitunter tödlicher Mangel, wie Studien belegen

Eine diamantene Hochzeit ist ein Grund zum Feiern: 60 Jahre Ehe – das erreichen nur 0,1 Prozent aller Paare. Wer so lange zusammen lebt, hat es offenbar geschafft, ein Leben gemeinsam zu gestalten. Welches die Geheimnisse einer glücklichen Ehe sind, fragen sich dennoch viele: Wie schafft man das bloß?

Eine 56-Jährige Kölnerin stellt sich derzeit wahrscheinlich eine ganz andere Frage: Warum hatten sich meine Eltern nicht schon längst getrennt? Denn dann würde ihre Mutter noch leben. Laut Mordanklage wollte die 88-jährige ihren ein Jahr älteren Mann nach fast 60 Jahren wegen eines anderen verlassen. Da brachte er sie um. Die Tatwerkzeuge: Hammer und Küchenmesser. Sie verblutete. Der Fall ist keine Einzeltat und schon gar keine Ausnahme. Er ist vielmehr – trotz des hohen Alters von Opfer und Täter – typisch. Mehr lesen

Mädchen in Bolivien: Am Anfang waren es Bauchschmerzen

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“Eine schöne Frau kämpft” © Kathrin Hartkopf

veröffentlicht bei Huffingtonpost.de

Zwei Frauen aus Deutschland unterstützen den Bau eines Schutzhauses für Mädchen in Bolivien.*

Karina Klein will, dass jetzt geholfen wird. Sofort. Prävention nutzt diesen Mädchen nichts mehr. Nicht der 16-jährigen Andrea**, die ihr Baby vor vier Jahren bekam und es zur Adoption fortgegeben hat. Nicht der zwölfjährigen Elena**, die eines Tages hochschwanger vor der Tür stand, und nun ihren zwei Monate alten Sohn Roberto** auf dem Bett liegend stillt und die Frau aus Deutschland unsicher anschaut. Prävention hilft auch den anderen 14 Mädchen nicht mehr, die in dem Mädchenschutzhaus eine Zuflucht gefunden und von denen fast alle schon Kinder geboren haben. Die Erzeuger sind Brüder, Onkel, die eigenen Väter. Oder ein Nachbar hat sich im Suff an den Minderjährigen vergangen. Diese Mädchen benötigen direkte Hilfe: Schutz, Begleitung bei Gericht, eine Ausbildung, psychologische Behandlung. Mehr lesen

Wenn die anderen tanzen

dsc_0254veröffentlicht im FREITAG 9/16 vom 3. März 2016

Körbe mit geschnittenem Brot stehen auf den Tischen, dazu Schalen mit Butter und Marmelade. In den Fächern eines schmalen Regales stapeln Handtücher. Im Wohnzimmer liegen Tageszeitungen aus. Kemenate, der Tagestreff für wohnungslose Frauen in Hamburg, öffnet in einer Stunde.

Eine, die regelmäßig vorbei schaut, ist Martina Junge*. Noch steht die schmale Frau mit Mütze, dicker Jacke, Jeans und schwarzen Stiefeln in der Februar-Kälte vor der Tür und raucht. Sie hat Lippenstift aufgelegt, unter den Augen einen dünnen Kajalstrich gezogen. „Das ist drinnen nicht erlaubt.“, sagt sie und pustet den Qualm nach oben. Mehr lesen

Interview: “Männer müssen auch Macht abgeben.”

mittenmangDie Zeitung MittenMang hat ein Interview mit mir in zwei Teilen in ihren Februar- und März-Ausgaben veröffentlicht. Hier ist es dokumentiert.

Kersten, was sind die Konsequenzen aus Köln?

Zum einen: Die Kölner Polizei hat die Situation auf dem Bahnhofsvorplatz an Silvester falsch eingeschätzt. Offenbar hatte sich die Polizeileitung auf diffuse Terrorwarnungen islamistischer Selbstmordattentäter eingestellt, anstatt auf die Abwehr vom Terror gegen Frauen. Die Beamtinnen und Beamten vor Ort haben sich offenbar auch nicht ausreichend um die Frauen gekümmert, die um Hilfe gebeten haben. Der Rücktritt des Polizeipräsidenten ist aus meiner Sicht ein Bauernopfer gewesen. Erfahrungsgemäß sind solche Vorfälle immer nur die Spitze des Eisberges von strukturellen Problemen. Da wurde anscheinend jahrelang schlechte Arbeit gemacht, die städtische und die Landesregierung sind ihren Aufgaben nicht ausreichend nachgekommen. Mehr lesen

Okay, reden wir endlich über sexistische Gewalt

gewalt_gegen_frauen_02Okay, reden wir über Gewalt an Frauen. Wir begehen seit vielen Jahren am 25. November den internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen. Wir treffen uns dazu mal im Rathaus, mal auf Veranstaltungen – weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit. Brötchentüten mit dem Aufdruck “Gewalt kommt nicht in die Tüte” gibt es in wenigen Tausend Exemplaren, kauft man beim Bäcker ein. Hatten Sie eine in der Hand? Im letzten Jahr hat die Hamburger Sozialbehörde eine Kampagne dazu entwickelt. Wer erinnert sich an diese? Es gibt seit einiger Zeit das bundesweite Hilfetelefon für Frauen, die Opfer von Gewalt wurden. Kennen Sie die Nummer? Ach, das hat Sie bislang nicht interessiert? Warum eigentlich nicht? Mehr lesen

Weibliche Flüchtlinge brauchen Hilfe und Anerkennung

11259116_1044418855578383_4094908246475454235_oBericht vom Frauenplenum

Viele Politiker und Politikerinnen und auch viele Medien haben mit einem Mal das Patriarchat entdeckt. Sie sorgen sich – angesichts der vielen jungen, männlichen, muslimischen Männer, die derzeit als Flüchtlinge in unser Land kommen – um die Sicherheit und Gleichberechtigung der deutschen Frauen.

Das ist nicht der Grund gewesen, warum sich das Frauenplenum mit der aktuellen Migrations- und Flüchtlingsbewegung befasst hat.

Wir sind vielmehr der Auffassung, dass linke Feministinnen und Sozialistinnen dringend ihre Position zur Flüchtlingsdebatte einbringen müssen. Wir, linke Frauen und Mitglieder der LINKEN, lehnen den so genannten Femi-Nationalismus ab. Er ist rassistisch motiviert. Er spaltet, und lenkt von den sozialen Ausmaßen und den Verursachern der Krise ab. Mehr lesen

Das achte Mal “Laufen gegen Gewalt”

img_5792Laufen gegen Gewalt ist eine feste Einrichtung in Hamburg geworden. Es geht einmal um die Alster, das sind 7,5 Kilometer. Es wird geradelt, gelaufen, gegangen, gewalkt. Naütlich bin ich wieder dabei geweisen, auch wenn ich dieses Jahr die Alster nicht mitumrundet habe. Aber meinen Solibeitrag habe ich als Startgeld selbstverständlich eingezahlt. Viele beaknnte Gesichter habe ich wieder getroffen, mittlerweile gehört es “zum guten Ton”, bei diesem Benefizlauf mitzumachen. (Anhang)

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Warum Kinder kein Kapital sind

b592bca41cMit der AfD ist der Antifeminismus in die Parlamente eingezogen – unabhängig davon, ob sich die Partei zerlegt. Der Satz „Kinder sind unser Kapital“, den die AfD-Frontfrau Dr. Frauke Petry, mit dem sie ihre Website ziert, macht mehr als deutlich, auf welchem Fundament sie ihren Antifeminismus baut. Dass Kinder „Kapital“ sein sollen, drückt die neoliberale Geisteshaltung hinter dem konservativen Leitbild Petrys aus: Menschen sind Verwertungsobjekte. Und die Verwertungsmaschinerie muss fleißig produzieren: Nach ihrer Meinung gelten nur Familien mit drei Kindern als normal. Mehr lesen