Prostitution – ungeliebter Schatten der bürgerlichen Ehe

veröffentlicht in “Z” unter dem Titel: “Zur Diskussion in der Linken um Prostitution”


Niemand käme auf die Idee, die Ehe zu verbieten oder Maßnahmen zu ergreifen, sie einzudämmen. Sie ist grundgesetzlich geschützt und wird auch weltweit in Rechtsordnungen geregelt: In der Europäischen Charta der Grundrechte ist zum Beispiel das „Recht, eine Ehe einzugehen“, festgeschrieben. Sogleich gilt der Schutz der Eheschließungsfreiheit, wie auch die frei gestaltbare Aufgabenverteilung innerhalb der Ehe. Im Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte steht, dass beide Ehegatten gleiche Rechte und Pflichten während der Ehe haben.[2]. Mehr lesen

Warum der 8. März ein Feiertag werden muss

Clara Zetkin

veröffentlicht in DISPUT, Mitgliedermagazn DIE LINKE; Februar 2018

Die halbe Menschheit wird wegen ihres Geschlechts diskriminiert – trotz Wahlrecht und Gleichstellungsgesetzen, trotz Gewaltschutzkonzepten und Quotenregelungen. Aber um die größte Spaltung der Gesellschaft zu überwinden, werden nur halbherzig und mit ebenso halben Verstand Maßnahmen ergriffen; Eigentums- und Machtverhältnisse zu wenig hinterfragt; der strukturelle Sexismus nicht bekämpft. Mehr lesen

Gleichstellung im Bundestag: Sprint, Marathon oder Schneckenspur??

Wir befinden uns am Ende der 18. Wahlperiode des Deutschen Bundestages. In weniger als 100 Tagen wird der Bundestag neu gewählt. Während die Satirepolitsendung „Heute Show“ bereits in der Sommerpause ist, werden im Reichstag noch die Geschicke des Landes gelenkt. Ich bin seit April Teil der linken Opposition, betrachte die Politik nunmehr aus der Sicht einer Mitarbeiterin einer Bundestagsabgeordneten. Eine spannende Perspektive. Nicht so stressig wie als Abgeordnete selbst, aber nicht viel weniger vielfältig. Hier eine Presseerklärung, da ein Grußwort, eine Einschätzung zu einer Gesetzesinitiative. Ein Webvideo. Und nun das erste Mal bei einer Sitzung des Bundestages dabei. Beobachterin. Mehr lesen

Chancengleichheit 4.0

Veröffentlicht in DER FREITAG, 3/17 vom 19. Januar 2017

Bei der Debatte über die Digitalisierung der Arbeit wird allzu oft der Genderaspekt vergessen

Wenn demnächst intelligente Computer alle mögliche Tätigkeiten übernehmen und Maschinen menschliche Schaffenskraft sogar in kreativen Branchen ersetzen, könnte die Welt, wie wir sie kennen, tatsächlich verschwinden. Wir werden dann mitansehen, wie künstliche Intelligenz Arbeitsplätze für Millionen Menschen vernichtet.

Oft kreisen Studien, Analysen und Spekulationen um den Begriff Arbeit 4.0 oder Industrie 4.0 – als eine Revolution, die bereits in Gange ist. Einige Szenarien sind aus dem Kino bekannt: In Hollywood-Produktionen wie I Robot verrichten „NS-5“-Konstruktionen Dienste im Haushalt und in Surrogates arbeiten, leben und lieben Klon-Apparate für ihre zuhausebleibenden Originale das Leben außerhalb der Wohnung. Man mag über solche Visionen den Kopf schütteln, bedenke aber: Die Star-Trek-Crew arbeitete schon in den 1980ern mit Tablets, da wurden Zeitungstexte sonst noch auf Schreibmaschinen getippt.
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Sexismus und Rollenklischees: Erkenntnis kommt nie zu spät

Vor kurzem sind zwei Texte erschienen, die zentrale Fragen der Frauenbewegung thematisieren. Jenna Behrends beschreibt den Sexismus in ihrer Partei, der CDU; Emilia Smechowski stellt dar, wie sie die Geschlechterprägung der Gesellschaft bei ihrer Tochter durch die Farbe Rosa erlebt . Beide Texte werfen Fragen auf, denen ich nachgehen möchte.

Denn es wäre als abgeklärte Kämpferin für Frauenrechte sehr einfach, zu behaupten: Das hätte ich Euch auch schon vorher sagen können. Das wäre zu schlicht – und respektlos gegenüber den beiden Autorinnen. Ich habe genügend Frauen erlebt, die erst durch ein persönliches Erlebnis begriffen haben, dass wir immer noch im Patriarchat leben und dass einer Jahrtausende langen Prägung einer Gesellschaft nicht durch toughes Verhalten ausgewichen werden kann. Das gilt für Rollenklischees wie für Männerdominanz. Oft müssen Unterdrückungsmechanismen erst am eigenen Leibe erlebt werden, bevor sie zu einer Wut führen, die widerständiges Handeln hervorbringt. Dennoch bin ich verwundert. Mehr lesen

Interview: “Männer müssen auch Macht abgeben.”

mittenmangDie Zeitung MittenMang hat ein Interview mit mir in zwei Teilen in ihren Februar- und März-Ausgaben veröffentlicht. Hier ist es dokumentiert.

Kersten, was sind die Konsequenzen aus Köln?

Zum einen: Die Kölner Polizei hat die Situation auf dem Bahnhofsvorplatz an Silvester falsch eingeschätzt. Offenbar hatte sich die Polizeileitung auf diffuse Terrorwarnungen islamistischer Selbstmordattentäter eingestellt, anstatt auf die Abwehr vom Terror gegen Frauen. Die Beamtinnen und Beamten vor Ort haben sich offenbar auch nicht ausreichend um die Frauen gekümmert, die um Hilfe gebeten haben. Der Rücktritt des Polizeipräsidenten ist aus meiner Sicht ein Bauernopfer gewesen. Erfahrungsgemäß sind solche Vorfälle immer nur die Spitze des Eisberges von strukturellen Problemen. Da wurde anscheinend jahrelang schlechte Arbeit gemacht, die städtische und die Landesregierung sind ihren Aufgaben nicht ausreichend nachgekommen. Mehr lesen