Aus Sicht der Frauen

lust_auf_ein_morgen_g7Ich habe dieses Buch in den 1980er Jahren schon einmal gelesen. Die Wiederentdeckung des Romans „Lust auf ein Morgen“ war nun eine Reise zurück zu den Frauen, mit denen ich groß geworden bin: Meine Mutter, meine Groß- und Urgroßmütter, meine Patentante, meine Schwester. Sie haben mir ihr Frausein vorgelebt. An ihnen konnte ich mich messen, mich vergleichen. Sie haben mir vermittelt, was weiblich ist und was nicht. Was haben sie angezogen? Wie sind sie mit Ihresgleichen, wie mit Männern umgegangen? Welche Konfliktstrategien hatten sie, welche Träume, Wünsche, Ängste? Konnten sie befriedigend Sexualität leben, füllte sie ihre Arbeit aus? Kämpften sie für ihre Rechte oder passten sie sich an? Sie waren mir jetzt wieder sehr nah. Aus Sicht der Frauen weiterlesen

Weiße Ritter

Gestern hat mein Enkel hohes Fieber bekommen. Heute hüte ich deswegen ein. Es geht es ihm wieder besser, aber man weiß ja nie, ob das Fieber im Laufe des Tages nochmal zurückkehrt. Mein Mann erzählt oft, dass er als Kind glaubte, Fieber seien weiße Ritter, die in die Schlacht ziehen, um die Krankheit zu bekämpfen. Er war stolz auf die weißen Ritter, wenn sie gewonnen hatten. Weiße Ritter weiterlesen

Sanfter Thriller

inestFrüher schmeckte Naschkram aus dem Bio-Markt noch ziemlich ideologisch. Als Industriezuckerersatz wurde allenfalls Honig verwendet und das tolerierte kein Geschmacksgedächtnis. Man musste eine biologisch-dynamische Überzeugung haben, um das zu essen.

Süßwarenregale im Ökomarkt bieten heute eine große Auswahl an Leckereien. Die Rezepturen sind angepasst an den Mainstreamgeschmack, die Bio-Süßwaren sind mit Trockenobst, Agavendicksaft, Stevia und Kokosnuss versetzt, das schmeckt. Süßes aus dem Natruwarenladen ist allerdings nach wie vor teurer als im konventionellen Handel. Naschkatzen kommen auf ihre Geschmackskosten, wenn sie es sich leisten können. Protagonist in Ines Thorns neuem Krimi ist so ein sündhaft teurer Schokoriegel. Er hat einen weiteren geheimnisvollen Zusatz. Sanfter Thriller weiterlesen

In der Messehalle B7

img_5960Ich habe zwei Riesenpakete Windeln gekauft, drei Großpackungen Papiertaschentücher und das Regal mit der Malkreide leer geräumt. Damit habe ich mich zur Messehalle B7 aufgemacht, wo für die Flüchtlinge eine Kleiderkammer eingerichtet wurde. Schon vor dem Eingang stapeln sich Kartons und Plastiktüten. Es wirkt chaotisch, aber es hat System: Hier wird erst einmal vorsortiert. Ich stelle meine Sachen dazu. Als ich in die Halle komme, sehe ich ein Schild: „Keine Kuscheltiere, bitte wieder mitnehmen!” Wegen der Hygiene.  In der Messehalle B7 weiterlesen

Familienfeiern

Wenn sehr alte Menschen Geburtstag feiern, kommen meist andere alte Menschen zum Gratulieren vorbei. Es wird Kaffee mit 20-prozentiger Sahne getrunken, Kuchen und Torte gegessen und vielleicht ein Glas Likör oder Korn getrunken. Die erwachsenen Kinder sind da und sorgen dafür, dass die Gäste stets ein volles Glas haben und die mitgebrachten Blumensträuße einen Platz in einer Vase erhalten. Das Geburtstagskind trägt eine schicke Bluse oder hat ein frisch gebügeltes Hemd angezogen Familienfeiern weiterlesen

Das achte Mal “Laufen gegen Gewalt”

img_5792Laufen gegen Gewalt ist eine feste Einrichtung in Hamburg geworden. Es geht einmal um die Alster, das sind 7,5 Kilometer. Es wird geradelt, gelaufen, gegangen, gewalkt. Naütlich bin ich wieder dabei geweisen, auch wenn ich dieses Jahr die Alster nicht mitumrundet habe. Aber meinen Solibeitrag habe ich als Startgeld selbstverständlich eingezahlt. Viele beaknnte Gesichter habe ich wieder getroffen, mittlerweile gehört es “zum guten Ton”, bei diesem Benefizlauf mitzumachen. (Anhang)

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Zum Weltkatzentag

img_0696Eine Geschichte zum Weltkatzentag: Meine Katze frühstückt jeden Morgen mit uns. Und das seit vielen Jahren. Es läuft immer dasselbe Ritual ab. Sie wartet sitzend auf dem Frühstückstisch, den Schwanz um sich geschlungen, die Ohren in der Erwartung gespitzt, dass wir uns endlich setzen mögen.

Meine Aufgabe ist es, Katzenfrühstücksbrettchen, Schneidemesser, Malzpaste, Würstchen und fünf Stück Trockenfutter bereit zu stellen. Zum Weltkatzentag weiterlesen

Die Vielfalt des Lebens denken – und leben!

11800881_928886020508345_247023346_oWas fordern Trans*personen von der Politik? Was benötigen sie, um selbstverständlicher Teil der Gesellschaft zu sein? Diese Fragen habe ich mit den Podiumsgästen auf einer gut besuchten Veranstaltung der LINKEn während der Hamburger Pride-Week erörtert. Als Moderatorin hatte ich die Aufgabe, die ca. 50 Besucher*innen einzubinden. Denn sie waren ebenso Fachleute wie Vivien, Leo, Franziska, Wiebke und Andromeda, die auf dem Podium Platz genommen hatten. So kamen jede und jeder zu Wort. Lebhaft und vielfältig wurde debattiert.

Ich lehne alle Schubladen ab, in die man Menschen durch eine Geschlechterzuordnung packen will, lautete eine Aussage. Eine andere: Warum muss ich mich entscheiden, welchem Geschlecht ich angehören will? Warum darf es keine Frau mit Penis geben? Eine weitere Position: Wenn ich als Trans*frau ein Kind zeuge, werde ich als Vater deklariert. Das ist diskriminierend. Ich bin eine Frau, ich will eine Mutter sein. Eine weitere: Meine Mutter bekommt selbstverständlich Hormone wegen der Wechseljahre. Ich bekomme Hormone erst, wenn mein Seelenleben durchleutet wurde. Die Vielfalt des Lebens denken – und leben! weiterlesen

Wir sind anti-einkaufen

Wer zulässt, dass Kinder durch die Gänge schieben und auf Augen- und Griffhöhe in einen Einkaufswagen einladen können, riskiert entweder Chaos oder Geschrei. Oder dass Eltern, resp. Großeltern, nicht mehr dort einkaufen gehen, weil Megastress mit dem Nachwuchs programmiert ist. Quengelware all überall. Selbstverständlich kann kein Kind bestimmen, was eingekauft wird und wie lange man sich im Geschäft aufhält. Das ist ein Naturgesetz. Wir haben heute das Gegenteil gemacht. Wir sind anti-einkaufen weiterlesen

Sexarbeit gehört entstigmatisiert

Als die Sozialpolitikerin Magda Langhans im Parlament über die Razzien sprach, mit denen die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten verhindert werden sollten, stellte dies eine ungeheure Provokation dar. Denn die Abgeordnete skandalisierte, dass die Zwangsuntersuchungen nur an Frauen durchgeführt wurden. Drei- bis viermal, so prangerte Langhans in ihrer leidenschaftlichen und zugleich gestrengen Art an, würden Frauen zur Untersuchung müssen, die Männer hingegen unbehelligt bleiben. Magda Langhans war Abgeordnete der KPD in der Hamburgischen Bürgerschaft und hielt diese Rede 1946.1 Sexarbeit gehört entstigmatisiert weiterlesen