Hinter den Kulissen des Todes

img_8556“Wie kommst Du auf die Idee, Trauerrednerin zu werden?”, werde ich oft gefragt, wenn ich erzähle, dass ich endlich eine Frau, Annette Rosenfeld, gefunden habe, die mich darin ausbildet. Danach folgt manchmal der Satz: „Das wäre nichts für mich.“ Kann sein, denke ich. Ich will das lernen, nicht Du! Reden kann ich ja, vor kleinem und großem Publikum, vor Freunden, vor Gegnern. Frei und abgelesen, draußen, drinnen, ohne und mit Mikro. Ich habe schon lange das Bedürfnis, die Kunst der Trauerrede zu erlernen. Das liegt vermutlich daran, dass ich viele schlechte Trauerreden gehört habe, vor allem in Kirchen – und jedesmal den Impuls spürte, es besser zu machen. Meine Ausbildung dauert ein Jahr. Wir sind zu acht und haben Sprechtraining, lernen Lyrik vortragen, erfahren viel über Ritual – und Trauerforschung. Was auch dazu gehört: Den Umgang mit Verstorbenen konkret erfahren. Eine Bestatterin erlaubte mir jetzt den Blick hinter die Kulissen des Todes: Annegret Rumöller von memento mori1. Ich habe ihr einige Tage lang über die Schultern geschaut. Hinter den Kulissen des Todes weiterlesen

Pädagogisch = weiblich = schlecht bezahlt

gewVeröffentlicht in Erziehung & Wissenschaft 5/2016

Zum internationalen Frauentag 2016 hat die GEW ein Gutachten veröffentlicht, das nachweist, dass die schlechtere Bezahlung von Grundschul- gegenüber Lehrkräften an anderen Schularten eine mittelbare Diskriminierung von Frauen ist. Bis zu 450 Euro monatlich wird an Grundschulen weniger verdient. In Hamburg diskutierten Grundschullehrerinnen über Ursachen, Vorurteile und Möglichkeiten, die Situation zu verändern, sowie die Folgen dieser Diskriminierung im Berufsalltag. Pädagogisch = weiblich = schlecht bezahlt weiterlesen

Berichte aus dem Garten – jetzt auf neuem Blog!

dsc_0178Mit meinem zweiten Gartenjahr habe ich einen eigenen Blog eröffnet. Gemischten über Frühblüher, Hummeln, Rasenmäher und mehr können hier nachgelesen werden. Nach den Schnecken habe ich eine weitere  Schädlingsart ausgemacht, die ich leider bekämpfen muss: Die Rhododendron-Zikade. Endlich habe ich nämlich herausgefunden, warum einige der Knospen so komisch aussehen und aus ihnen auch keine Blüte herauskommt. Ich habe in diesem Frühling schon etliche Stunden in meinem Garten verbracht, das Wetter hat – bis auf die letzte Woche  auch schon gut mitgemacht. Meine erste Schrebergarten- Jahreshauptversammlung habe ich nun auch erlebt. Muss ja alles seine Ordnung haben. Wer also Lust hat, schöne Bilder anzusehen und meine Schrebergartenfortschritte nachzulesen, kann das hier gerne tun.

Zeit für Veränderungen

img_9675Die Jahre 2014/2015 sind für mich in vielerlei Hinsicht Jahre der Umbrüche gewesen. Ich wurde 50, wurde Großmutter, das Abgeordnetenmandat endete, mein langjähriges Arbeitsverhältnis ebenso. Ich pachtete einen Schrebergarten, aquirierte erste eigene Aufträge, machte Fortbildungen, streifte nach und nach meine Hülle als Lautsprecherin und Litfasssäule für meine Partei ab. Viele Kleidungsstücke hängen unbenutzt im Schrank. Blazer, Blusen, Hosen mit Bügelfalten. Und nun auch die schwarzen Sockenpaare. Weg damit! Zeit für Veränderungen weiterlesen

Ein Zeugnis nach 35 Jahren

gymnasium-horn-logoAus Bremen kam die Vergangenheit zurück in die Gegenwart. In einem schmucklosen Briefumschlag befand sich eine Neufassung meines Zeugnisses aus dem Jahr 1981. Absenderin: meine ehemalige Schule, das Gymnasium Horn. Ich hatte Anfang diesen Jahres Kontakt aufgenommen, weil ich das Original seit langem nicht mehr besitze. Sondern nur noch eine vergilbte, schlecht lesbare, Kopie. Ich brauche ein vernünftiges Papier, weil ich mich für neue Jobs bewerbe. Ein Zeugnis nach 35 Jahren weiterlesen

Wenn Diskriminierungen abgebaut würden, könnten Frauen besser leben

img_8918Es war heiß, an diesem Spätsommertag 2014. Auf der Langen Reihe – der Schlagader des Hamburger Stadtteils St. Georg – fuhren die Autos dicht an dicht. Fußgänger drängelten sich an den Stühlen und Tischen des Cafés vorbei, das auf dem schmalen Fußweg seine Gäste platzierte. Ich hatte mich dort mit Lutz und Jörg von der Aids-Hilfe verabredet. Wir aßen Kuchen. Es war eng, gemütlich, laut. Die beiden hatten einen Plan: Sie wollten mich für die neue Hamburgische Regenbogenstiftung gewinnen, als eine von zwei Dutzend Kuratorinnen und Kuratoren. Die Stiftung sollte die Arbeit der Aids-Hilfe bekannt machen, Spenden sammeln, zum Abbau von Stigma HIV-Infizierter beitragen. Ich sagte zu. Als Frauenrechtlerin und Gewerkschafterin habeich mir zum Ziel gesetzt, vor allem HIV-infizierte Frauen und HIV am Arbeitsplatz thematisieren. Wenn Diskriminierungen abgebaut würden, könnten Frauen besser leben weiterlesen

Der Krebs mit der Farbe – auch ich liebe meinen Busen

seite1veröffentlicht: Neues Deutschland, Wochenendausgabe 5./6. März 2016: Seite 1, Seite 2 und Seite 3

Ich bin 51 Jahre alt und gehöre damit ab jetzt zur Zielgruppe des Mammographie-Screenings. Künftig werde auch ich eingeladen, meine Brüste regelmäßig röntgen zu lassen. Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die in Deutschland wohnen, bekommen seit 2008 alle zwei Jahre einschlägige Post. In der Bremer Gesundheitsbehörde wurde die zentrale Stelle eingerichtet, die Briefe in ganz Norddeutschland verschickt. Der Versand erfolgt stadtteilweise – pro Quartal sind das allein in Hamburg circa 25.000 Frauen. Ich muss mich entscheiden: Gehe ich hin oder nicht? Es sind vor allem zwei Fragen, die mich beschäftigen: Kann diese Reihenuntersuchung Brustkrebs verhindern? Kann es mein Leben retten, wenn ich erkranke? Ich begebe mich auf die Suche nach Antworten. Der Krebs mit der Farbe – auch ich liebe meinen Busen weiterlesen

Die späte Diagnose Aids

dsc_0278Erschienen in der Welt Hamburg am 3. März 2016

Ihr erste Gedanke war: Das ist bizarr. Wann, bitteschön, soll ich mich denn infiziert haben? Warum ausgerechnet ich? Die Diagnose, die ihr Arzt ihr mitteilte, lautete: Aids im Endstadium.

Heute fährt Claudia Kramer* wieder Fahrrad und steigt jede Treppe hoch. Sie geht ihrer Arbeit nach, trifft Freunde, fährt in den Urlaub, plant ihre Zukunft. Vor zwei Jahren sah es für die 51-Jährige nicht so aus, als wenn sie jemals wieder ein normales Leben würde führen können. Oder überhaupt ein Leben. Das Röntgenbild ihrer Lunge zeigt eine weiße Schicht. Trockener Husten raubte ihr den Schlaf. Atemnot ließ die schlanke, sportliche Frau an jeder Treppe scheitern. Fieber hielt sich konstant auf hohem Niveau. „Ich hatte kaum noch Helferzellen, die meine Abwehrkräfte gegen krankmachende Eindringlinge in meinem Körper steuern konnten.“, sagt sie. Die späte Diagnose Aids weiterlesen

Wenn die anderen tanzen

dsc_0254veröffentlicht im FREITAG 9/16 vom 3. März 2016

Körbe mit geschnittenem Brot stehen auf den Tischen, dazu Schalen mit Butter und Marmelade. In den Fächern eines schmalen Regales stapeln Handtücher. Im Wohnzimmer liegen Tageszeitungen aus. Kemenate, der Tagestreff für wohnungslose Frauen in Hamburg, öffnet in einer Stunde.

Eine, die regelmäßig vorbei schaut, ist Martina Junge*. Noch steht die schmale Frau mit Mütze, dicker Jacke, Jeans und schwarzen Stiefeln in der Februar-Kälte vor der Tür und raucht. Sie hat Lippenstift aufgelegt, unter den Augen einen dünnen Kajalstrich gezogen. „Das ist drinnen nicht erlaubt.“, sagt sie und pustet den Qualm nach oben. Wenn die anderen tanzen weiterlesen

Interview: “Männer müssen auch Macht abgeben.”

mittenmangDie Zeitung MittenMang hat ein Interview mit mir in zwei Teilen in ihren Februar- und März-Ausgaben veröffentlicht. Hier ist es dokumentiert.

Kersten, was sind die Konsequenzen aus Köln?

Zum einen: Die Kölner Polizei hat die Situation auf dem Bahnhofsvorplatz an Silvester falsch eingeschätzt. Offenbar hatte sich die Polizeileitung auf diffuse Terrorwarnungen islamistischer Selbstmordattentäter eingestellt, anstatt auf die Abwehr vom Terror gegen Frauen. Die Beamtinnen und Beamten vor Ort haben sich offenbar auch nicht ausreichend um die Frauen gekümmert, die um Hilfe gebeten haben. Der Rücktritt des Polizeipräsidenten ist aus meiner Sicht ein Bauernopfer gewesen. Erfahrungsgemäß sind solche Vorfälle immer nur die Spitze des Eisberges von strukturellen Problemen. Da wurde anscheinend jahrelang schlechte Arbeit gemacht, die städtische und die Landesregierung sind ihren Aufgaben nicht ausreichend nachgekommen. Interview: “Männer müssen auch Macht abgeben.” weiterlesen